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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Christian Friir Heissr.

Geb. d. 28. Jan. 1721!, gest. d. w. Dez. IM.

Ein Dichter, gleich sehr durch liebenswürdigen Cha-rakter wie durch schöne Begabung ausgezeichnet, welcherlange Zeit belebend und anregend innerhalb eines nichtcnggezogenen deutschen Poetenkreises stand.

Annabcrg im Sächsischen Erzgebirge war Weiße'sGeburtsort, sein Vater war der sehr gelehrte Rektorder dortigen lateinischen Schule, den der Knabe frühverlor; aber er empfing von der edel» und an Geistund Gemüth trefflich gebildeten Mutter eine vorzüglicheErziehung, bis ihn in seinem 10. Jahre das Gym-nasium in Altenburg aufnahm, welches er neun Jahrelang besuchte. Nicht reicher an Kenntniß unv Wissen-schaft ausgestattet, als jene Zeit voll mangelhaftenUnterrichts zu geben vermochte, bezog Weiße die Uni-versität Leipzig , wo ein neues Leben ihm aufging unddie in ihm schon früh erwachte Neigung für Poesieund Sckauspiel sich freier entfalten konnte. Er wähltePhilologie und Theologie zum Brodstudium, da be-schränkte Vcrmögensverhältnifse geboten, auf die künftigeFristung des Lebens bedacht zu nehmen, lebte sehreinfach und versagte sich manchen Genuß, fand aber

für jegliche Entbehrung reiche Entschädigung in demnach und nach erlangten Umgang mit jungen Schrift-stellern und Dichtern, mit Johann Heinrich und JohannAdolph Schlegel, mit Klopstock , Cramer, Gärtner, Gi-scke, Geliert, Rabener , Küster, Mylius, und vor allenmit Lessing, welche alle an der beliebten Zeitschrift:«Belustigungen des Verstandes und Witzes» mitarbei-teten. Lessing übte auf Weiße den belebendsten Einfluß,und förderte ihn, wie er konnte. Vorliebe für dasTheater, welches damals in Leipzig unter der Neu-berin blühte, leitete beide zum eigenen Versuche dra-matischer Poesteschwingcn, und mit inniger Freude sahWeiße seinen «Leichtgläubigen» dargestellt und günstigaufgenommen, ebenso machte sein Erstlingstück: «dieMatrone von Ephesus» ihren Weg über die damaligenbesten deutschen Bühnen, so mängclvoll auch beideStücke noch waren.

Die Bahn war betreten, und fröhlich wandelteWeiße auf derselben weiter, versuchte sich auch in«scherzhaften Liedern», die er erscheinen ließ, ohne aberdabei sein Ziel, ein künftiges Lehramt, aus den Augen