zu vereinig,!». Bald auch gewann der strebsame jungeMann sich Freunde, v. Hagedorn, des Dichters Bru-der, Generaldirektor der Kunstacademie und selbst aus-übender Meister in der Aetzkunst, Läppert, der durchseine Dactyliothck berühmte Professor der Antiken, undOcscr, der liebenswürdige und weit genannte Maler;der letzte namentlich übte auf Winckelmaun bedeutendbildenden Einfluß, indem er ihn in das Hciligthumder Kunstcrkenntniß führte, und ihn lehrte, sichern Blickund richtiges Urtheil zu gewinnen, die aus Büchernnicht gewonnen werden, sondern durch Anschauungen.Dresdens reiche und herrliche Kunstschätze weckten Sehn-sucht und Berlaugen »ach jenem klassischen Boden, demein großer Theil derselben entstammte. Nom winkteverführerisch, wie es immer winkt; Winckelmanu standallein, 35 Jahre alt, immer noch gräflicher Bibliothek-schreiber mit 80 Thaler Gehalt; der am Dresdner Hofeweilende päpstliche Nuntius Archiuto lernte den thätigenund wissenschasilichcu Mann kennen, und eröffneteWinckelmanu vic Aussicht auf eine Vibliothckarstclle inder weltberühmten Vatioana; welche Aussicht konntelockender und reizender sein für einen Geist, der nurfür Kunst und 'Alterthum glühte und der zugleich fürden durch erschöpfende Arbeit geschwächten Körper hei-lende Belebung unter Italiens mildem Himmel hoffte?Dadurch geschah es, daß Wiuckelmann zu dem einzigenihm dargebotenen Mittel griff, jenes verheißungsrcichcZiel zu gewinnen, er wechselte den Glauben, odereigentlich nur daö Bekenntniß; seine Seele hing nichtam Lutherthum, nicht am Papstthum, ihm winkte dieKunst, das Götterwcib, mit ihrem tausendfachen Zauber.
Nach einem Aufenthalt in Dresden bei Oeser gingWinckelmanu, mit einem Jahrgehalt dcS Königs vonSachsen unterstützt, nach Rom , fand dort seinen indeßzurückgekehrten Freund und Gönner Archiuto als Kardi-nal und StaatSseerctair wieder, fand unter der höherenGeistlichkeit zahlreiche Gönner, befreundete sich mit RafaelMengs und lebte sich in ein durch reiche Kunstschau undstetes Kunststudium beglücktes Kunstlebcn hinein, welchemdie Wissenschaft seine vortrefflichen Werke verdankt.Diese Werke bestanden zunächst aus höchst anziehendenund belehrenden Briefsammlungen au Freunde, ausmehreren kleinen kunstgcschichtlichen und archäologischenAbhandlungen, dann folgten die ölouumonli rnlliolliinolliti, und daö Hauptwerk: Geschichte der Kunst desAlterthums, darin er seinem Namen ein dauerndesDenkmal setzte. Winckelmanu säuberte die Kunstge-schichte und klassische AlterthumSkundc von eingewurzel-ten Borurtheilen, stellte die oft vage bisherige Beur-theilung antiker Kunstwerke auf die Basis des geläuter-ten Geschmacks und des höheren ästhetischen Gefühls,und fand die allgemeinste Anerkennung.
war eine ganz erwünschte; er wurde zwar nicht gleichin der Bibliothek des Vaticans angestellt, aber dochan den Bibliotheken einiger ihm äußerst wohlwollenderCardinäle und konnte die vaticanische benutzen. Vier-mal reiste er von Nom nach Neapel und kehrte stetsmit neuen Bereicherungen für die Wissenschaft zurück.Im Jahre 1763 wurde er zum Oberaufseher der aposto-lischen Kammer über alle Alterthümer in und um Rom ernannt, ein Amt, welches so ganz nach seinem Wunschewar und seinem ganzen Wirken so zusagte, daß er gernan ihn aus der deutschen Hcimath ergehende ehrenvolleAnträge ablehnte. Der kaiserliche, der sächsische, derhannoversche wie der preußische Hof wollten ihn an-stellen, in Berlin sollte er 1765 mit 1000 Thaler-Gehalt Inspektor der Bibliothek, des Münz - und An-tikenkabincts werden, eine Summe, die ihm allerdingsin Betracht der Arbeit und Verantwortlichkeit zu geringerscheinen mußte. Seine Dienstgeschäftc in Rom ge-währten ihm die schönste Muße zu eigenem wirken,zum entfalten seiner schöpferischen Thätigkeit, in derihn nur der häufige Besuch reisender Landsleute nichtstets erfreulich störte. Er blieb unvcrmählt, war sichselbst Herr und Diener, hatte niemand zu seiner Be-dienung nöthig, unv zeigte sich stets freundlich, vollHerzensgüte und Lauterkeit des Charakters. Wenn ihnnicht amtliche oder sonstige Verrichtungen zum ausgehennöthigten, trug er daheim im Winter stets einen Pelz,eine Reliquie der deutschen Hcimath. Nach dieser Hei-math entstand endlich in ihm doch ein nicht zu bewäl-tigendes sehnen, er beschloß eine große Reise, kündigtediese seinen Freunden in Deutschland öfter vorher schonan und begann dieselbe am 10. April 1768 in Be-gleitung des Bildhauers Eavaeezzi, wurde aber aufderselben in den Alpen von der trübsten Gcmüths-stimmung und Reue über den Reiscantritt befallen,so daß er einige male umkehren wollte; indeß gelangteer nach Augsburg und von da über München undRcgensburg nach Wien, wo die Kaiserin Maria The-resia ihn auszeichnete und reich beschenkte. Von hin-aus beschloß Winckelmanu unabänderlich die Rückkehr,und erreichte Triest . Dort machte er die Bekanntschafteines Italieners, Arcangeli, dem er arglos seine Münzenund Schätze zeigte, und dieser Teufel mit dem Nameneines Erzengels brachte dem arglosen in raubmörderischerAbsicht einige so tödliche Wunden bei, daß Winckelmanunoch desselben Tages verschied. Der Mörder entfloh,ward aber später eingeholt und lebendig mit dem Radegerichtet. Winckelmaun, der in Triest völlig unbekanntwar, wurde still beerdigt, niemand kennt sein Grab.So endete ein hochbegabter, der Wissenschaft zum Heilewirkender Mann von dauerndem Ruhm auf eine schänd-liche Weise sein thätiges Leben.