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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
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er jene größte Bitternis im menschlichen Leben ge-kostet hat, daß der schwere Augenblick über ihn kam, da erzum letzten Male das Antlitz eines geliebten Menschen insich aufzunehmen verlangte, wer jenes tiefschmerzliche Sehnenkennt, mit dem wir noch einmal in nnser Auge die Zügeeines Theuern, den nnS der unerbittliche Tod entführt,festzusaugen verlangen, der weiß auch, daß, nachdem ausimmer die Scheidewand getreten ist zwischen den Anblickdes geliebten Wesens nnd unser Ange daß dann vonneuem der Wunsch, die Sehnsucht entsteht, nnS ein festesBild zu machen von den Zügen, die uns der Tod ent-rissen hat. Daun rnft menschliche Phantasie die Knnst,dann ruft sie Piusel nnd Palette, Thou und Meißel herbei,um wenigstens im Abbild uoch dao sich zu bewahren, wasder Kraft lebendiger Vorstellung festzuhalten versagt ist.Aber, wie wir die sichtbaren natürlichen Züge eines tenernWesens festzuhalten verlangen, gan^ so, vielleicht nochmehr, fühlen wir das Bedürfnis, anch den geistigen Inhalt,die Seele, den Kern, das ganze Wesen eines Menschenin dem Augenblicke, da er sür immer von nnS scheidet,vor uns hinzustellen, nnd diesem Bedürfnis Befriedigungzu verschaffen, darum, meine geehrten Versammelten, sindwir heute hierher gekommen. Möge es mir, so schwer dieAufgabe ist, so ungenügend ich meine Kräfte für diesesgroße Beginnen fühle, möge es mir gelingen, wenigstensans dem Innersten meiner Empfindung nnd meines Denkens