Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

284 Große Verleger im Beginn des 16. Jahrhunderts. Mnftes

auswärts drucken ließ, wie bei Adam Petri und Jakob von Pforzheimin Basel , Renatus Beck in Straßburg, Georg Stuchs und HieronhmusHölzel in Nürnberg , Peter Lichtenstein in Venedig und vor allen beiHeinrich Gran in Hagenau. Ganz ebenso ließ Gottfried Hittorp inKöln , außer in Gemeinschaft mit Ludwig Horncken, nachweisbar schon1518 bei Adam Petri in Basel und später, in den zwanziger Jahren,bei Berthold Rembold, Johann Philipp und Desiderius Maheu inParis, Adam Petri und Andreas Cratander in Basel, sowie bei Tho-mas Anshelm in Tübingen drucken. Adam Petri kann übrigens keinbemittelter Drucker, muß vielmehr oftmals in Verlegenheit gewesen sein,denn er versetzte 1519 die mit Hittorps und Hornckens Geld gedrucktenBücher an Dritte. Die beiden kölner Verleger sahen sich deshalb ge-zwungen, die Vermittelung ihrer Baterstadt in Anspruch zu nehmen,durch deren Fürsprache sie auch die Auslieferung der an Dritte ver-pfändeten Bücher erreicht zu haben scheinen. (S. Anhang unter VI. 26)Auch Franz Birckmann in Köln beschäftigte die auswärtigen Pressenebenso sehr als seine eigenen, und zwar zwischen 1513 und 1529 dievon Wolfgang Hopyl , Berthold Rembold und Nikolaus Prevost inParis, Heinrich Gran in Hagenau, sowie die von Johann Sibaldäus,Christoph Endovicensis, Christoph von Roermonde, Johann Graphäus,Simon Cocus und Gerhard Nikolaus in Antwerpen. ^

Es war eine natürliche Folge der räumlichen Ausdehnung des Buch-handels, daß die einzelnen Buchhändler durch Einhalten einer bestimmtenRichtung ein möglichst sicheres Feld der Bethätigung zu gewinnen undauszubeuten suchten. Sie teilten die Arbeit, indem sie den Geschmackund die Bedürfnisse der Leser ermittelten. So bildeten sich die Speziali-täten verhältnismäßig schnell aus; so deckten sich die Interessen der Ein-zelnen mit den Forderungen des Ganzen, und namentlich trat die Kon-kurrenz der Ausgaben in der klassischen und theologischen Litteratur zurück.Äußerst lehrreich ist der Rückblick auf den ersten Gebrauch, welchen dieverschiedenen Völker von der Buchdruckerkunst in ihren ersten Anfängengemacht haben. Es spricht sich überhaupt der Charakter und der Bil-dungsstand eines Landes oder Gemeinwesens so klar in seinen erstenDruckwerken aus, daß die Bibliographie eines bestimmten Zeitalters zu-gleich die Geschichte und Ziele des nationalen Geistes mit photograpischerTreue widerspiegelt.