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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Beziehungen zwischen Aldus und Erasmus.

^Sechstes

aufgeführt. Im Jahre 1507 veröffentlichte er bei Aldus seine Über-setzung zweier Euripideischen Tragödien. Was Erasmus in seiner Sprich-wörtersammlung >^Äagia") über den Wahlspruch seines Freundes?«?s-tina leuts" schrieb, war AlduS ganz aus der Seele gesprochen.Früher",so lautet die Stelle wörtlich,widmete mau der Genauigkeit der Manu-skripte eine ebenso große Sorgfalt, als der Redaction eines notariellenAktes. Diese Sorgfalt galt als heilige Pflicht; spater wurde sie un-wissenden Mönchen und dann sogar Frauen anvertraut. Aber um wieviel größer ist das Übel, welches ein Drucker anrichten kann! Die Ge-setze sagen nichts über diesen Puukt. Man straft den, welcher englischesTuch statt des venezianischen verkauft; aber derjenige, welcher au Stelleguter Texte dem Leser wahres Kreuz und wahre Qualen schafft, bleibtunbestraft. Daher rührt auch, namentlich in Deutschland , die unzähligeMasse entstellter Bücher. Während eS Perbote gegen die Bäckerei gibt,fehlt ein solches gegen die Typographie, und doch, wo ist der entferntesteErdenwinkel, wohin nicht die gedruckten Bücher gleich Bienenschwärmenfliegen?" Im Jahre 1508 kam Erasmus von Bologna nach Venedig,um bei Aldus eiue neue verbesserte und vermehrte Auslage seiner Sprich-wörtersammlung auszuarbeiten und drucken zu lassen. Sie erschien dennauch im September 1508. ^ AlduS uahm den berühmten Gaslsreundzuvorkommend auf und gab ihm Wohnung im Hause seines Schwieger-vaters Andrea Torresani di Asula. Wie sorgfältig der Druck überwachtwurde, das beweist die Thatsache , daß Erasmus selbst die erste Korrekturlas, ein Korrektor Seraphin die zweite, und Aldus die dritte, um, wieletzterer auf Befragen erklärte, sich zu bilbeu. Eine zweite AldinischeAusgabe erschien 1520, jedoch gestattete die italienische Geistlichkeit nichtihre Verbreitung; ihre Feindseligkeit gegen die Sammlung ging so weit,daß Paul Manutius später nicht einmal den Namen des ErasmnS alsdes Verfassers in seinen Verlagskatalogen nennen durfte, ihn mit derUmschreibung:Ln,tg,vus ciuiclain Iwmo" bezeichnen mnßte.

Erasmus beschäftigte sich übrigens damals in Venedig nicht bloß mitder Herausgabe seines eigenen Werkes, bei welcher ihn, wie er selbst sagt,Italiener Äud Griechen der spätere Kardinal Hieronynms Alemidcrwar unter andern: Korrektor bei Aldus zuvorkommend durch Mit-teilung von Bücheru und Handschriften unterstützten, sondern half auchseinem Gastfreuude bei dessen Arbeiten; er korrigierte M ihn nach den