394 Erasmus und Frobens Erben. Der Humanismus in Erfurt . ^Sechstes
Absatz dieses Werkes nach seiner Ansicht Vermögen und Existenz derFrobenschen Kinder abhing. Er selbst aber hatte seine eigene Mühe undArbeit fast umsonst dargebracht; wie er am 29. September 1523 schreibt,würde er für jeden Dritten eine so schwere Arbeit nicht um 2000 Gul-den übernommen haben. Auch von Froben selbst hatte er schon bei dessenLebzelten nur sehr wenig erhalten, weil er kaum ein Drittel von demannahm, was jener ihm angeboten, und auch das Eigentum des Hauseszurückgewiesen hatte, welches Froben ihm wiederholt schenken wollte.
Natürlich bot Hieronhmus Froben alles auf, sich Erasmus' Gunstzu sichern. In einem gegen Ende des Jahres 1530 geschriebenen Briefeerklärte er ihm schmeichelnd, seine Offizin hänge lediglich von Erasmusab, worauf dieser am 15. Dezember 1530 erwiderte, daß sie dann aneinem morschen Seile hänge, indessen doch auf neue Verlagsanerbietungeneinging. —
In Mitteldeutschland erlangte Erfurt eine hervorragende Bedeu-tung. Hier hatte der Humauismus schon sehr früh (um 1460) Einganggefunden und zunächst die Versöhnung mit dem alten Kirchentum ge-sucht; später widmete er dann der wissenschaftlichen Vertiefung der Stu-dien die besten Kräfte und stellte schließlich die kühnsten Kämpfer zumAngriff gegen Rom . Alle drei Perioden des Humanismus sind hieralso vollständig vertreten, ja folgerichtig bis in ihre Konsequenzen ent-wickelt, und zwar nicht bloß durch die begeisterte Jugend, sondern auchdurch reifere Gelehrte und Zierden der Universität, wie MaternusPistoris und Nikolaus Marschalk . Der Boden fand sich schon vorbe-reitet, denn die reiche Stadt war ein alter Sitz der Formschneidekunstund verschiedener Schreiberstuben und zählt daher auch zu den ältestenDruck- und Verlagsorten Deutschlands. ^ Dieses künstlerische Leben hatteschon um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine hohe Blüte erreicht.
In Erfurt machte sich also der neue Geist in aller Form zuerst einemittelalterliche Lehranstalt dienstbar. Was dieser Sieg heißen will, daswird erst klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß alles wissenschaftlicheLeben der vorreformawrischen Zeit von der Kirche bedingt war, daßdementsprechend auch die Universitäten, durch päpstlichen Machtspruch in«?Leben gerufen, in Ursprung, Forin und äußerer Haltung ein entschiedenkirchliches Gepräge trugen. In erster Linie hatten sie die Verteidigungder kirchlichen Interessen zu führen; deshalb bildete denn auch die Theo-