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positiven Ideen ins Gegenteil aristokratischer Starkgeisterei;er wollte zu viel des leidlich Guten retten und wurde süßlich.Einen interessanten Gegensatz bildet Leo Tolstoi . Hier solldie demokratische Schwierigkeit auf einfach demokratischeArt überwunden werden. Einfachheit und Gleichheit mitRückkehr zum Urmenschen, aber auf gläubigem Grund. Imletzteren liegt der Unterschied gegen Rousseaus Nsvsnorisä 1a naturs. Merkwürdig, wie die Jdeenschweifungen sichberühren. Nietzsche leitet seine Herrenmoral von dem höherenRechte der als stärker geborenen Bestie ab, labt sich an derPorstellung von dem Rudel blonder Tiere, welches unterdie Schwächeren seinesgleichen hereinbricht. Während ermit diesem Hinweis auf die Urnatur an Rousseau anlehnt,trifft er mit dessen schärfstem Gegner, dem katholischen deMaistre, zusammen, der das Recht des Blutvergießens unsso einfach vor Augen rückt. „Setzen wir uns nicht jedenTag fröhlich an einen Tisch, der mit Leichen bedeckt ist?"Das wäre eine Rechtfertigung für Tolstois neueste Ab-handlung*), in welcher er unter Schilderung der Greueldes Tierschlachtens predigt, daß „der erste Schritt" zurHerstellung einer besseren Welt die Bekehrung zur Pflanzen-kost sein müsse, der bekannte Vegetarianismus. So langedie Menschen Tiere töten, meint er, werden sie auch ein-ander totschlagen. Die Liebhaber der Fleischkost werden ihmvielleicht antworten wie Alphons Karr den Gegnern derTodesstrafe: >zus Nsssisrirs 1s8 assa-ssins OomiQsiiczsnt)!Weder Tolstois Milch und Honig, noch de Maistres blutigesSchwert, auch nicht die Beethovensche Harmonie des „NeuenGlaubens" verursachen uns zur Zeit viel Anfechtung. Da-gegen schreitet die Kraftmeierei des Genies immer breitspurigerdurch die Reihen unserer „Erzieher". Und Gott weiß, es
ürst stex in der 5Is^v ksvisv vom Juli d. I.