Moskau verwandte, nur widerwillig und schlecht die un-gewohnten elsässischen und belgischen Spinnmaschinen be-dient h Nach Beseitigung jenes Hindernisses nahmen Baum-woll- und Maschinenimport gewaltigen Aufschwung. Der Weg-war gewöhnlich folgender: der deutsche Importeur finanzierteden russischen Spinner, versah ihn mit englischen Maschinenund Vorarbeitern, häufig auch englischen Fabrikdirektoren,um sodann an ihm einen festen Abnehmer für Baumwolle zubesitzen. Noch heute lebt dieses Verhältnis, wenn auch ab-geschwächt, an der Moskauer Börse fort: der Handel sprichtvorwiegend deutsch, die Industrie russisch.
Es wäre ungerecht, eines Mannes hier zu vergessen,welcher sich vom mittellosen Commis zu einer fast könig-lichen Stellung in der zu schildernden Industrie emporschwang.Bezeichnenderweise wird in keiner der angeführten zahlreichenSchriften dieser interessanten Episode der russischen Industrie-geschichte gedacht. Sie pafst eben weder in die freihändlerischenoch in die schutzzöllnerische Schulmeinung, welche darin sichgleichen, dal's sie die Konkurrenz annähernd Gleicher auf inter-nationalem bezw. nationalem Markte für den normalen Zustandder Industrie halten. Nur Mitchell erwähnt die Erfolge desalten Knoop, um daran die moralisierende Betrachtung zuknüpfen: da sähe man, dafs der Schutzzoll zu Unnatur undMonopol führe 2 ! Das Folgende beruht daher ausschliefslichauf persönlichen Erkundigungen. Dieselben wurden vielfachdurch das in Rufsland strenger als z. B. in England gewahrteGeschäftsgeheimnis erschwert.
Die Laufbahn des späteren „Baron" Ludwig Knoop er-innert an die des Amerikaners Rockefeiler. Aber Knoop warmehr als Rockefeiler; er war zugleich der Arkwright Rufs-lands, der Schöpfer einer gewaltigen Grofsindustrie dort, wodas Gewerbe bisher vorwiegend auf dem Uberschufsverkaufder bäuerlichen Hausgenossenschaft beruht hatte. Es verrätkleinbürgerliche Beschränktheit, einem Genie des Kapitalismuswie Knoop Bewunderung zu versagen; unverständlich aber
1 Scher er a. a. 0. S. 448.
2 Mitchell a. a. 0. S. 89.