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welcher die Alleinherrschaft Eines ermöglicht. Um den Stan-dard oil trust aufzubauen, eroberte Rockefeller die Herrschaftüber die Röhrenleitungen, in denen das Erdöl von den Quell-gebieten des Westens nach den Raffinerien, Verbrauchscentrenund Ausfuhrhäfen des Ostens geleitet wird. Knoop vereinigtein seiner Hand die Verbindung des russischen Produktions-gebietes mit dem Lande des Rohstoffes, der Maschinen unddes bankmäfsigen Kredits. Seine Machtstellung beruhte ins-besondere darauf, dafs die englischen Maschinen, welche seitden vierziger Jahren in Rufsland einströmten, durch seineHand hindurch mufsten.
Schon wegen ihrer Unbekanntschaft mit dem russischenMarkte, sodann wegen der gänzlich abweichenden Kredit-verhältnisse Rufslands gewährten die englischen Maschinen-fabrikanten keinen Kredit an die Russen. Hier setzte Knoopein. Er war ebenso bekannt und geschätzt in Manchester wiein Moskau . Dort erhielt er Kredit, hier gewährte er Kredit.
In Manchester besafs Knoop das Monopol der KenntnisMoskaus. Daher hielt es die gröfste englische Spinnmaschinen-fabrik, Platt Brs. in Oldham, in ihrem Interesse, mit Knoopin folgendes Verhältnis zu treten: Knoop verpflichtete sich,seine Maschinenbestellungen allein bei Platt zu machen; da-gegen versprach die Firma Platt, keinen anderen als Knoopzum Vertriebe ihrer Erzeugnisse in Rufsland zuzulassen. Inähnlicher Weise bezog Knoop die Dampfmaschinen ausschliefs-lich von Hick Hargreaves und seit den achtziger Jahren vonJohn Musgrave and Sons; elektrische Beleuchtungsanlagenwerden neuerdings durchweg von der bekannten Firma Matherin Salford bezogen.
Gefahr war beiderseits bei einem Abkommen, wie demmit Platt geschlossenen, kaum zu laufen. Der Schutzzoll inRufsland verhiefs reiche Gewinne, wenn anders den technischenErfordernissen bei Begründung und Betrieb der zu errichten-den Spinnereien genügt wurde — und hierfür war den Eng-ländern die Persönlichkeit Knoops gut.
Auf Grund einer genauen Kenntnis der Moskauer Verhältnisse und Persönlichkeiten stellte Knoop den ihm