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Dadurch aber wurde eine Bresche in die Machtstellung desImporteurs gelegt, dafs die gröfseren mittelrussischen Industrie-unternehmungen in Europa bekannt und kreditwürdig wurden —es wurde dies gewifs dadurch beschleunigt, dal's die tüchtigstender Fabrikantenfamilien ihren jungen Nachwuchs nach West-europa schickten, wo er in den Comptoiren, insbesondereManchesters, sich die kommerzielle Technik des Westens an-eignete; viele der jüngeren Fabrikanten Moskaus und Wladi-mirs sprechen geläufig englisch . Soweit nun die russischenFabrikanten über westeuropäische Bankverbindungen ver-fügen, auf welche sie Ausländern Rembours geben können,sind sie in der Lage, im eigenen Namen Geschäfte im Westenzu kontrahieren. Gegenwärtig kaufen zahlreiche Moskauer Häuser direkt in Amerika Baumwolle, in England Maschinen.Der Amerikaner oder Engländer macht sich in diesem Falledurch Trassierung auf die vom Russen angegebene Rembours-stelle in London oder Berlin bezahlt. In diesem Falle wirdder Importeur zum Agenten herabgedrückt und mufs sich miteiner mageren Provision begnügen.
Wenn so die russische Baumwollindustrie in die Lagegekommen ist, ihre Verschuldung gegenüber der FirmaKnoop allmählich zu lösen, wenn ferner die monopolhafteStellung des Importeurs im Zurücktreten begriffen ist, sodürfte die Firma Knoop als sachkundige finanzierende Kapital-macht für die weitere Ausdehnung der Industrie ihre Be-deutung und ihren Nutzen noch lange behaupten. Geradegegenwärtig entwickelt sich die mittelrussische Baumwoll-industrie in raschem Tempo vorwärts, hauptsächlich auf Grunddes Kredites, welchen die den Bezug der Maschinen ver-mittelnden Firmen gewähren — und unter diesen stehtKnoop noch heute obenan, wenn auch nicht mehr ohneKonkurrenz.
Es ist diese Thätigkeit der Firma Knoop für Rufsland umso nützlicher, als noch immer die Kapitalbeschaffung für zugründende Industrien in Moskau mit grofsen Schwierigkeitenverknüpft ist. Den privilegierten Banken für Bodenkreditsteht nicht das Recht zu, industrielle Anlagen (Fabriken,