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fremden, kapital- und kreditarmen Boden und einer ihrfremden, mittelalterlich gebundenen Volkspsychologie auf-gepfropft wurde, wie dies in Moskau, ähnlich wie in Bombay und Japan geschah.
2. Diese Modifikationen sind, soweit Rufsland in Betrachtkommt, Nachteile in der Konkurrenz mit der westeuropäischenIndustrie; diese Nachteile wiegen in dem Mafse schwerer, alses sich um kapitalintensive Produkte, d. h. um die Erzeug-nisse wertvoller und komplizierter Maschinen handelt, derenBedienung nicht sowohl manuelle Geschicklichkeit, in derder Russe dem Westeuropäer überlegen ist, sondern Geistes-anspannung, Verantwortlichkeitsgefühl und technisches Ver-ständnis erfordert.
3. Diese Nachteile verblassen jedoch in dem Mafse, alsder westeuropäische Kredit- und Handelsnexus die russischenIndustriebetriebe umschlingt, und der westeuropäische Indi-vidualismus den Arbeiter erfafst. Dafs das erstere für Moskau der Fall ist, lernten wir bereits oben kennen; der Europäi-sierung des mittelrussischen Fabrikarbeiters soll ein besondererAbschnitt gewidmet werden 1 .
VI. Vorteile und Nachteile in (1er Anwendung mittel-russischer Fabrikarbeit 2 .
Die Slavophilen sagen: die glänzende Kultur des Westensberuhe auf der Ausbeutung eines Arbeiterproletariats, dessenLage sich zusehends verschlechtere und jene Kultur selbst
1 Betreffend Luxemburg, „Die industrielle Entwicklung Polens" ,siehe Nachtrag am Schlufs dieses Kapitels.
2 Es entspricht der Natur eines Buches, wie des vorliegenden,dafs seine Entstehung Jahre beansprucht. Vorliegende Abschnitte VIund VII gehören zu den am frühesten ausgearbeiteten. Sollten einigeder mitgeteilten Thatsachen überholt sein, so bleibt doch dasWichtigere: die Richtung der gegenwärtigen Entwicklung, welche ichaufzudecken mich bemühte. Vieles Mitgeteilte beruht auch hier aufeigener Wahrnehmung und mündlicher Mitteilung.
v. Schulze-Gaevernitz, Studien a. Rufsl. 9