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Bezüglich der Arbeitszeit liegen die Verhältnisse in dengrofsen Moskauer Spinnereien entschieden günstiger. Dasfixierte Kapital ist hier so wertvoll, dafs man die SpindelnTag und Nacht laufen läfst; die Arbeit aber ist geleimt undschwierig; eine ununterbrochene Ausnutzung der Arbeitskraftwäre unmöglich; daher arbeitet man hier gewöhnlich in zweizwölfstündigen Schichten. Um jedoch jede Pause zu ver-meiden, zerreifst man die zwölfstündige Arbeitszeit in je zweisechsstündige Abschnitte 1 .
Es ergiebt sich daher folgende Anordnung der Arbeits-zeit :
Schicht I von 5 bis 10 Uhr vorm.,
Schicht II „ 10 Uhr vorm. bis 4 Uhr nachm.,
Schicht I „ 4 „ nachm. „ 9 „ „
Schicht II „ 9 „ „ „ 5 „ vorm.
Diese Anordnung der Arbeitszeit wird von Fabrikinspektorenund Landschaftsärzten für gesundheitsschädlich erachtet; siegestatte niemals eine genügend lange Ruhepause. Auch reifsesie die Familien willkürlich auseinander und mache jede Artvon Familienleben den Arbeitern unmöglich.
Seitdem das Fabrikgesetz die Nachtarbeit von Frauen undMinderjährigen verboten hat, ist man in den besten SpinnereienMittelrufslands zu einer Doppelschicht von 18 Stunden über-gegangen 2 .
1 Janschull a. a. 0. S. 87; Peskoff a. a. 0. S. 94 ff.
2 Vergl. Bericht der Moskauer Sektion der Gesellschaft zur Unter-stützung für russischen Handel und Industrie, betr. das Lodzer Projekt,1895, S. 6. Ferner den Bericht von Aljantschikoff in der Gesellschaftfür Unterstützung des russischen Handels und Industrie, abgedruckt inden Kussischen Nachrichten vom 9. Februar 1896; danach arbeiten überdie Hälfte aller untersuchten Spindeln 24 Stunden, über ein Viertel18 Stunden täglich in doppelter Schicht, 18 % in einer Schicht von 12und mehr Stunden.