geleistete Arbeit. Teuer, ja oft überhaupt nicht zu haben ist ins-besondere die gelernte und verantwortungsvolle Arbeit, welcherman wertvolle Kapitalien und komplizierte Maschinen anver-trauen könnte. Wir sind damit zum Verständnis der obenausgeführten Thatsache gelangt, warum die Arbeit pro Produktin Rufsland nicht billiger, sondern eher teurer ist als in Eng-land , trotz der 2—5mal niederen Wochenverdienste in Rufsland.
VII. Die Europäisierung der mittelrussischen Fabriken.
So mangelhaft die russische Fabrikarbeit auch heute nochsein mag, so sind Fortschritte zu Intensität und Gelerntheitzweifellos. Diese Fortschritte aber vollziehen sich nicht ohneeine allmähliche Annäherung des russischen Arbeiters an dieLebenshaltung und Denkweise seines westeuropäischen Arbeits-genossen. Hatten die Slavophilen den Individualismus desWestens verketzert und Rufsland gepriesen, das in seinenbreiten Schichten von ihm unberührt sei — gleichviel, auchder Russe der unteren Klassen wird Europäer . Beweis aufdem Lande der als Kulak verschrieene reiche Bauer, derKosak und der Kolonist in den Getreideausfuhrgebieten desSüdens. Beweis auch der mittelrussische Fabrikarbeiter.Er wird Europäer einfach deswegen, weil für die Unter-nehmer die Anwendung des Europäers rentabler ist — einGrund, gegen den Litteraturmeinungen wenig verschlagen.Dieser Vorgang schliefst in sich die Loslösung aus der Ge-bundenheit der ursprünglichen Gruppenzusammenhänge, soder Familiengenossenschaft, des Agrarkommunismus, an derenStelle die kleine westeuropäische Familie tritt. Hand in Handhiermit geht der Zusammenbruch der überkommenen Lebens-haltung und die Erweiterung der menschlichen Wünsche überdas Gewohnheitsmäfsige hinaus: die Geburt des Individuums.
Bei der mittelrussischen Fabrikarbeit läfst sich dieserProzefs, welcher von allgemein wirtschaftsgeschichtlichem Inter-esse ist, auf das deutlichste beobachten. Er vollzieht sichin vier Stufen, von denen die erste grofsenteils überwunden,die vierte nur in wenigen Fällen erreicht ist; auf der zweiten