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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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bibliothekeil erlaubt, vielmehr nur eine kleine Auswahl der-selben. Die bessere Verwendung der Mufsezeit steigert zweifellosdie Ausdauer und Geschicklichkeit des Arbeiters bei derArbeit.

Mehr aber als alles andere europäisiert den russischenFabrikarbeiter die Entwicklung der ländlichen Verhältnisse.Ihr ist es zu verdanken, wenn die Trennung vom Lande fürdie gelernte Arbeit der mittelrussischen Grofsindustrie heuteals Thatsache anzusehen ist 1 . Die Gleichheit der Lebenslose,welche der Gemeindesitz gewährleisten sollte, ist heute imVerschwinden, und eine breite Schicht proletarisierter Bauernvorhanden, welche ausschliefslich auf Lohnarbeit angewiesensind. Auch hier wird der Staat nicht umhin können, früheroder später die gesetzliche Konsequenz der thatsächlichen Ent-wicklung zu ziehen und dem Fabrikarbeiter den Austritt ausseiner ländlichen Gemeinde zu erleichtern, mit welcher ernunmehr nur noch durch Steuer- und Pafspflicht zusammen-hängt. Das Stück Gemeindeland, das er erhielt, mochte viel-leicht früher dem Arbeiter von Nutzen sein, als er periodischnoch auf das Land zurückkehrte. Jetzt hat er auf seinemNadjel vielleicht noch Weib und Kind sitzen, aber längst inder Stadt und Fabrik eine vom Priester nicht getraute zweiteEhe eingegangen, in welcher der Schwerpunkt seines Lebensliegt. Die Maschine erfordert einen ihr ausschliefslich dienendenArbeiter. Dafs er auch gesetzlich auf die städtisch gewerb-liche Basis gestellt werde, liegt im Interesse der Stetigkeit undGesittung seines Lebens, welches wieder eine Vorbedingunggesteigerter Arbeitsintensität ist.

Unsere wirtschaftsgeschichtliche Erkenntnis zeigt uns, dafsdie industrielle Entwicklung Westeuropas nicht möglich warohne eine volkspsychologische Parallelentwicklung. Dieselbebedeutete auch für die unteren Schichten der Gesellschaft

1 So das Buch von Dementjeff,Die Fabrik, was sie der Be-völkerung nimmt und giebt", das ich, mit der Ausarbeitung der späterenTeile dieses Buches beschäftigt, für obige Darstellung nicht mehr be-nutzen konnte.