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Herausschälung des Individuums aus dem Gruppendasein derVergangenheit. Wir sahen, dafs ähnliche geistige Verschiebungenauch auf mittelrussischem Boden vor sich gehen. Wenn derStaat die Industrie will, so mufs er auch diese Entwicklunggutheifsen. Denn europäische Denk- und Empfindungsweisensind zur erfolgreichen Inbetriebsetzung von Maschinen nichtweniger unentbehrlich, als Dampf, Kohle und Technik; abersie sind mit dem Schutzzoll noch keineswegs gegeben und nichtohne weiteres aus der Fremde zu übertragen; sie sind viel-mehr ein volkswirtschaftliches Kapital, das nur allmählichheranwächst und das mehr als alles andere heute die Über-macht Europas über die Welt begründet 1 .
Anhang.
S Über die „Industrielle Entwicklung Polens" vergleiche
jetzt Dr. Rosa Luxemburg, Leipzig 1898. Genanntes Buchist mir erst nach Abschlufs obiger Ausführungen zu Gesichtgekommen. Der zweifellos vorhandene Geist der Verfasserinwird leider in der Unbefangenheit des Urteils getrübt durchveraltete Marxistische Orthodoxie. Der Zeitpunkt, „wo an Stelleder privaten Warenwirtschaft eine neue sociale Ordnung aufBasis einer planmäfsigen genossenschaftlichen Organisationtreten wird", gehört der Glaubenslehre, nicht der induktivenWissenschaft an. Ihr Standpunkt macht die Verfasserin blindfür das zweifellose Hineinspielen nationaler Momente in die
1 Verfasser hat absichtlich jede Bezugnahme auf die ihm persön-lich unbekannte ostasiatische Industrie unterlassen. Soviel scheint sichihm jedoch aus Obigem deutlich zu ergeben: niedrig gelohnte Hand-arbeit an sich entscheidet nicht den grofsindustriellen Wettkampf derNationen. Der Schwerpunkt der Frage scheint ihm vielmehr darin zuliegen: ob und in welcher Frist es den ostasiatischen Nationen gelingenwird, die wirtschaftlichen und volkspsychologischen Bedingungen zuschaffen, welche es dem Fortschritte des technischen Gedankens er-lauben, seine Heimstätte von den Ufern des atlantischen nach denendes pacifischen Oceans zu verlegen.