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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Der Kampf zwischen Europa und Rufsland, abgesehenvon seinen gehofften Ergebnissen, galt für die Panslavistenals rettendes und heilbringendes Ereignis, weil er die dünneSchicht des Europäertums von Rulslands Oberfläche hinweg-fegen werde. Auch werde er die Slaven, ungeachtet des Ein-wirkens aller deutschen, französischen und englischen Litte-ratur, ungeachtet alles westlichen Liberalismus, auf die Bühnehistorischer Selbständigkeit treiben; mehr als die friedlichenBemühungen der Slavophilen um die slavische Altertums-kunde werde der Kampf mit Europa slavisches Nationalitäts-gefühl stärken und für die Einigung aller Slaven unter Rufs-lands Scepter sorgen.

„Einige Jahre allgemeinen Kampfes im einfachen undbuchstäblichen Sinn dieses Wortes, eines Kampfes, geführt fürdas gemeinsame heilige Ziel, thut mehr für die geistige Ein-heit der Slaven und die Einführung der russischen Sprachezum allgemeinen Mittel des Oedankenaustausches, als Jahr-hunderte angestrengtester Bemühungen mündlicher und schrift-licher Predigt 1 ." —

Die Panslavisten standen, wie gesagt, im Gegensatz zuden liberalen Strömungen, welche unter der RegierungAlexanders II. die öffentliche Meinung beherrschten; im Jahre1887 dagegen schrieben die „Moskauer Nachrichten" 2 : „DerPanslavismus in Rufsland ist nicht das Programm irgendeiner Partei, sondern das politische Bekenntnis des russischen Volkes."

Inzwischen war ein Umschwung erfolgt: der Nationalis-mus war offiziöse Weltanschauung geworden, und der gröfstePublizist Rufslands, Katkoff, hatte sich öffentlich mit denSlavophilen bei Gelegenheit der Puschkinfeier 1880 verbündet 3 ,nachdem bereits 1878 die „Moskauer Nachrichten" schutz-zöllnerisch geworden waren.

1 Vergl. für das Vorhergehende das Buch Danilewkis S. 468—475.

2 Moskauer Nachrichten, Jahrgang 1887 Nr. 260.

3 Vergl. Europäischer Bote, 1880 Oktober und November.