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Landwirtschaft der Zukunft, ähnlich wie ihn W. W, ein herr-liches Erziehungsmittel nennt, um im Volke die Fähigkeitsolidarischer Thätigkeit zu entwickeln 1 .
Schofskind der Volkstümler wie einst der Slavophilenist neben dem Gemeindebesitz jene öfters berührte primitiveArbeitergenossenschaft, das Ar teil, welches sich in Rufs bindin einzelnen Exemplaren bis auf die Gegenwart gerettet hat.Statt eines merkwürdigen Restes der Vergangenheit erblickendie Volkstümler im Arteil Keime einer glücklicheren Zukunft.„Das Volk selbst hat den weiten Begriff des Artells aus-gearbeitet, gleichsam eine besondere Art von Organisation derArbeit, wie sie bei keinem anderen Volke besteht (bestand?),bemerkenswert durch tiefes Verständnis der Natur des Men-schen, durch Gerechtigkeit, Verständigkeit, Humanität 2 ". Eifrigsuchen die Volkstümler auf dem weiten russischen Boden diewenigen noch lebendigen Beispiele der artellmäfsigen Produk-tion, welche sich in technisch rückständigen, wenig kompli-zierten Gewerben finden. So haben einst auch im Westendie Liebhaber der Produktivgenossenschaft jedes derartigeBeispiel in den Himmel gehoben, und es hat lange gedauert,bis der Glaube an dieses Allheilmittel endgiltig erschüttertwar 3 . Realistischer als die Litteraten bezeichnet das russischeVolk die Schmieden von Artellgenossen als „Streitschmieden".In der That sind unter den Hunderttausenden hausindustriellerSchmiede, Schlosser, Gerber, Holzarbeiter Artelle heute eineSeltenheit. „Wie einfach diese Gewerbe auch sein mögen,sie erscheinen doch bedeutend komplizierter als die Jagd, derFischfang, das Lastentragen, welche die gröfste Zahl vonGenossenschaften liefern V
1 W. W., Unsere Bichtungen. S. 139—-142.
2 Vergl. Aufsatz aus Conrads Jahrbüchern. Dritte Folge, Bd. XIV,Simchowitsch S. 671.
3 Viel hierzu heigetragen hat B. Pott er: Die britische Genossen-schaftsbewegung, Kap. V.
4 Issajeff, Preufsische Jahrbücher. Sechsundachtzigster Band.1896. S. 397.