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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Ziel, schwebt den Volkstümlern vor die Beseitigung desKapitalismus . Auf russischem Boden, glauben sie, seidieses Ziel leichter zu erreichen, als auf dem Boden West-europas .

Die Volkstümler betrachten den Kapitalismus als etwasgewaltsam nach Rufsland Importiertes; ein Reis aus fremdemLande kränkele er auf russischem Boden, in seinem Daseinabhängig von der schützenden Hand des Staates. Den ruhigenLauf dervolkstümlichen Wirtschaftsweise" habe er nur ober-flächlich beunruhigt. Ohne den Kapitalismus,diesen kühnenPfadfinder", müsse Rufsland in seiner eigenen Werkstatt dasihm passende Bild der neuen Gesellschaft ausarbeiten h

Grundlage des russischen Zukunftsstaates ist auch für dieV olkstümler wie für die älteren russischen Socialisten der Ge-meindebesitz. Auch hierin nehmen die Volkstümler in letzterLinie den Gedanken der Slavophilen wieder auf.UnsereVergangenheit hinterliefs uns als Erbstück den Gemeinde-besitz, welcher unter der Einwirkung des Kapitalismus, beiden hierdurch hervorgebrachten Verhältnissen in Güter-produktion und Güterumlauf, bei der Trennung des Gewerbesvon der Landwirtschaft heute nicht mehr imstande ist, seinenMitgliedern die Mittel der Existenz zu sichern. Trotzdem istder Gemeindebesitz eine der Grundlagen, auf welcher dasGebäude der künftigen Gemeinwirtschaft aufgebaut werdenkann. Die wissenschaftliche Landwirtschaft und die moderneGrofsindustrie müssen wir auf die Gemeinde aufpfropfen unddieselbe zugleich so verändern, dafs sie ein geeignetes Werk-zeug wird für die Umformung der Grofsindustrie aus ihrerkapitalistischen in die gesellschaftliche Form 2 ." Selbst dieoffizielle Nationalökonomie der Universitäten steht diesen An-schauungen nicht allzu fern, und zeigt vielfach eine wennauch abgemildertevolkstümliche" Färbung. So preist Kari-scheff den Gemeindebesitz als den Keim derkooperativen"

1 W. W. a. a. O. S. 303.

2 Nicolaion a. a. 0. S. 343.