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in den Besitz des Gutslandes, sondern auf dem Wege derPachtung und des Kaufes, und nicht auf dem Boden desGemeinbesitzes vollzieht sich dieser Fortschritt, sondern alsFortschritt einzelner besonders Begabter, Thatkräftiger, Voran-strebender.
Wenn auf dem Gebiete der Landwirtschaft der noch be-stehende Gemeindebesitz den Träumen der Volkstümler einegewisse thatsächliche Grundlage und Anknüpfung für kom-munistische Experimente darbot, so war es anders auf demGebiete der Industrie. Russischen Studenten und BauernHüttenwerke, Baumwollspinnereien und Eisenbahnen in dieHand zu geben und von diesem Ereignis den wirtschaftlichenAufschwung zu erhoffen, das überstieg selbst die Glaubens-kräfte der gläubigsten Volkstümler.
Daher will W. W. diese eigentlichen Grofsunternehmungenin die Hände des Staates geben, wobei er sehr vernünftigbemerkt, dafs es ja bis vor kurzem in Rufsland nicht andersgewesen sei 1 . In der That hat der Staat oft genug durchDarlehen und Privilegien Private zur Übernahme von Fabrikenveranlafst und ist nicht selten — nachdem die Unternehmermit den dargeliehenen Summen verduftet waren — auf denBetrieben sitzen geblieben. Richtig, nur kein Ideal! Deut-licher noch als der deutsche Socialismus idealisiert derrussische auch in diesem Falle Vergangenheit — eine Ver-gangenheit, welche in Rufsland der Gegenwart zeitlich nochsehr viel näher liegt, als im Westen.
Aus letzterem Grunde finden sich bei den besprochenenSchriftstellern im einzelnen manche feine und geistvolle Be-merkungen über naturalwirtschaftliche Verhältnisse; verzeih-lich sind dagegen mancherlei Irrtümer hinsichtlich der mehrgehafsten, als gekannten „kapitalistischen " Organisation desWestens. Nur einige dieser Irrtümer, welche für die Grund-anschauungen von Bedeutung sind, seien hier noch erwähnt.
1. Der unzweifelhafte Rückgang der adeligen Gutsbetriebezu Gunsten des bäuerlichen Kleinbetriebes wird als Beweis
1 W. W. a. a. 0. S. 67.