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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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vergeben vorfinde, eine Grofsindusti'ie überhaupt nicht ent-wickeln. Aber die Grundlage dieser Schlufsfolge ist falsch.Die höchstentwickelten Industrieländer Westeuropas geradezeigen eine demokratische Art des Verbrauchs: zunehmendenVerbrauch der Massen gegenüber dem Luxusverbrauch derbesitzenden Klassen. England, Deutschland und Belgien , dreihochentwickelte Industrieländer, sind sich gegenseitig diebesten Abnehmer für Massenartikel. Aber auch Länder,welche durch agraren Export die Kaufkraft ihrer Angehörigenheben, können in wachsendem Mafse aufnahmefähige Märktefür eine heimische Industrie sein, z. B. die VereinigtenStaaten .

Der russischen Industrie stehen zwar nicht so reiche,wohl aber doch breite und sich ausdehnende innere Märktezur Verfügung: einmal die heute und in Zukunft erst zurGeldwirtschaft neu übergehenden Gebiete Europas und Inner-asiens. Es ist in diesem Gedankengange gleichgiltig, obdiese Bevölkerungen, wie Nicolaion meint, ihre Bedürfnissefrüher auf naturalwirtschaftlichem Wege reichlicher befriedigthaben oder nicht. Denn wenn sie auch vielleicht mehr afsenund sich besser kleideten, so kauften sie doch nichts.

Wichtiger aber als diese für die russische Industrie sicheröffnenden neuen Märkte ist die zunehmende Kaufkraft deralten. In den älteren Teilen Rufslands mag zwar die prole-tarisierte untere Schicht der bäuerlichen Bevölkerung an Kauf-kraft abnehmen, ihr gegenüber stehen neue, emporstrebendeKlassen: die an Zahl schnell zunehmenden Städter, dieIndustriearbeiter selbst, vor allem aber die obere ländlicheSchicht, die den Volkstümlern verhafsten, sog.reichen"Bauern, welche Steuern zahlen und Industrieprodukte kaufen.

V. Neuere Weltmachtspolitik.

In Rufsland wie anderwärts hat nicht die socialistischeUtopie die Reaktion überwunden. Vielmehr ist hier wie sonstdas Verblassen socialistischer Stimmungen die Vorbedingungeiner Periode thatsächlicher Reformen auf dem Boden des