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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Politik die ungeheuren Opfer und Gefahren, welche die Zer-trümmerung Österreichs erfordern würde, abwägen mit demzweifelhaften Siegespreise.

Ja, es ergab sich, dafs das, was für Rufsland inder Balkanfrage allein Lehensinteresse ist, der freie Zugangzum Meere, sich durch Verständigung mit Österreich er-reichen läfst. Demgegenüber ist es ganz gleichgiltig, oh eineTeilung der Einflufssphären zwischen Österreich und Rufs-land durch ausdrücklichen Vertrag vorliegt oder nicht.Wichtig dagegen, als ein gewaltiger Fortschritt über denPanslavismus hinaus, ist die Einsicht, welche der Füx-stUchtomski, der Reisebegleiter des Zaren Nikolaus II. in Asien ,gegenwärtig Herausgeber der Petersburger Nachrichten undVorsitzender der russisch-chinesischen Bank, mit folgendenWorten ausspricht:Ich bin sehr befriedigt, und es war durch-aus notwendig, dafs die russische Politik sich vom Balkan losgemacht hat. Der Sultan mag bleiben; er mufs aber einkleiner Emir werden, und ob dieser Emir ein Vasall Rufs-lands oder sonst Jemandes wird, scheint mir ziemlich gleich-giltig. Für Rufsland genügt es, wenn es die Meerenge voneiner Seite beherrscht" 1 .

Aber man würde den in der öffentlichen Meinung und inder Politik des Zarenreichs erfolgten Umschwung unterschätzen,wenn man ihn lediglich auf die Schwierigkeiten zurückführenwürde, welche der Verwirklichung des panslavistischen Pro-gramms gegenüberstanden. Die heutige Politik Rufslands istnicht eine Politik der Entsagung, sondern eine Politik er-weiterter Ziele. Um sie richtig zu würdigen, bedarf es einesgrofsen geschichtlichen Mafsstabes.

Seit dem Zeitalter der Entdeckungen ist die Geschichtedes westlichen Europas nicht mehr die Weltgeschichte. Viel-mehr haben seit jener Zeit die leitenden europäischen Grofs-mächte ihre Ziele aufserhalb Europas gesetzt: politische Be-herrschung und wirtschaftliche Ausbeutung in letzter Linie

1 Preufsische Jahrbücher Bd. XCII, Heft 2.