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Festland, nicht nur an Frankreich , dessen Stütze zwar wert-voll, aber nicht breit genug ist, sondern zugleich an Deutsch ,land. Liegt doch der Gedanke an den Krimkrieg nahe,welcher deswegen für das erschöpfte Rufsland nicht völligverhängnisvoll wurde, weil Deutschland sich weigerte, denKriegsschauplatz an die Weichsel verlegen zu lassen. Diesbegründet den Umschwung, welchen die öffentliche MeinungRufslands im Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen in erstaunlich kurzer Zeit durchgemacht hat, und wovon heutejedes Zeitungsblatt ein Zeugnis ablegt. —
Diese Anlehnung an den Westen ist um so unentbehr-licher, als die wirtschaftlichen Machtmittel Rufslands derGröfse seines Gebiets und der Weite seiner Ziele keineswegsentsprechen. Aus finanzpolitischen Gründen schwerwiegendsterArt erstrebt heute Rufsland Sicherung und Erweiterung seinereuropäischen Absatzmärkte für Rohstoffe, Halbfabrikate undNahrungsmittel, damit Handelsverträge; es bedarf ferner derHerbeiziehung europäischen Kapitals, damit der Valuta-regulierung. Seine ganze innere Politik hat einen europa-freundlichen und mafsvoll fortschrittlichen Charakter an-genommen. Diesen Satz im einzelnen zu begründen, ist denfolgenden Kapiteln vorbehalten. —
Werfen wir, ehe wir hierzu übergehen, noch einen kurzenÜberblick auf die gegenwärtige Position Rufslandsin Asien , wobei wir u. a. die Zusammenfassung von Ratzelbenutzen h
Am 1. Januar 1895 wurde auf Grund der Polizeilistendie Bevölkerung Sibiriens auf 7,2 Millionen, davon 4,5Millionen Russen, geschätzt. Für die Städte Tomsk undIrkutsk wurden 50000 Einwohner angegeben 2 .
Die Arbeiten der Sibirischen Bahn werden mitgrofser Energie vorwärtsgeführt. Für dieses Werk wurdenin den Jahren 1898—97 nahezu 400 Millionen Rubel aus-