— 270 —
Der heute vom Auslände vielfach so beachtete Auf-schwung der deutschen Industrie 1 ist also zum mindestenkein Beleg für die Richtigkeit einer hochschutzzöllnerischenIndustriepolitik, wie sie Rufsland in den achtziger Jahreneinschlug.
In ähnlicher Weise entstand die Industrie Polens nichtunter dem prohibitiven Tarif Rufslands von 1822, dessen An-wendung auf Polen durch Bestimmungen der Wiener Kongrefs-akte ausgeschlossen war. Gerade weil die russische Industrieviel höher geschützt war, als die polnische, hörte die Einfuhrindustrieller Gegenstände aus Rufsland nach dem bis dahinvöllig ungewerblichen Polen auf; der Prohibitivzoll hielt dieProduktionskosten in Rufsland augenscheinlich auf einer Höhe,wie sie in Polen die ausländische Konkurrenz unmöglichmachte. Als 1850 die Binnenzolllinie fiel und Rufsland undPolen ein einheitliches Zollgebiet wurden, hatten sich dieRollen vertauscht; Polen exportierte nach Rufsland.
In Rufsland selbst hat die Prohibition des KaisersNikolaus I. die Industrie, insbesondere die Eisenindustrie,nicht entwickelt — ein Beweis, dafs nicht der Schutzzoll ansich in der Lage ist, eine Industrie dort hervorzuzaubern, woihre sonstigen Daseinsbedingungen fehlen. Nach dem Tarifvon 1822 war die Eiseneinfuhr zur See überhaupt verboten,die zu Lande aufserordentlich hohen Zollsätzen unterworfen;aufserdem konnte beim Mangel von Verkehrswegen die Ein-fuhr über die Landgrenze überhaupt nur eine geringe Rollespielen. Im preufsischen Tarife von 1818 und dem sich an-schliefsenden Zollvereinstarife war bis 1845 dagegen die Einfuhrvon Roheisen völlig freigegeben, um sodann geringen Zoll-sätzen Platz zu machen. Dabei betrug die Produktion vonRoheisen in 1000 Pud 2 :