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elsässische Industrie nach ihrer Vereinigung mit Deutschland als ein im französischen Treibhaus verzärteltes Gewächs.
Auch nach den schutzzöllnerischen Erfolgen von 1879sind, wie Lötz 1 mit Recht betont, die deutschen Industriellenimmerhin in dem erstrebten und durchgesetzten Zollschutzmafsvoll gewesen. Es haben in den achtziger und vor allemden neunziger Jahren neben allerdings nicht unbeträchtlichenZollerhöhungen auch wichtige Zollherabsetzungen für Industrie-produkte stattgefunden.
Besonders offenkundig sind die Fortschritte der deutschen Eisenindustrie. In den sechziger Jahren war Deutschland aufbeträchtliche Eisenzufuhr angewiesen, heute bilden Eisen,Stahl, sowie Eisen- und Stahlfabrikate einen der wichtigstenZweige der deutschen Ausfuhr 2 . Dabei hat sich der in-ländische Verbrauch von Eisen pro Kopf, bei stark an-wachsender Bevölkerung und sinkenden Eisenpreisen, in dendreifsig Jahren von 1864—1894 nahezu vervierfacht. Deutsch-lands Eisenproduktion rückt heute an den Umfang der eng-lischen heran, welche 1870 noch sechsmal so grofs als diedeutsche war. Diese Entwicklung hat sich teils unter völligerZollfreiheit, teils unter Zöllen vollzogen, welche im Vergleichmit den russischen nicht in das Gewicht fallen. Einem russischenZoll von 30 Kopeken pro Pud Roheisen entspricht seit 1879ein deutscher von ca. 5 Kopeken. In der That hat die deutscheEisenindustrie nie aufgehört, unter der Wirkung der aus-ländischen Konkurrenz zu stehen. Die deutschen Eisenbahnenhaben immer wieder auf ausländisches Material gegriffen undnicht nur die Seestädte, sondern auch Berlin führen englischesRoheisen, wenn auch in wenig beträchtlichen Quantitäten ein.