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Recht eine Grofsindustrie innerhalb seiner Grenzen anstrebtund sich zu diesem Zwecke des Schutzzolls bedienen mufs.Um so ruhiger aber können wir behaupten, dafs der Schutz-zoll keineswegs zu den Dingen gehört, von denen der Satzgilt: je mehr um so besser.
Werfen wir zunächst einen Blick auf westeuropäischeBeispiele. Ich habe an anderer Stelle geschildert, wie es dasAufkommen des festländischen Mitbewerbes auf neutralenMärkten war, welches die aufserordentlichen technischen Fort-schritte der englischen Baumwollindustrie in den dreifsigerJahren unseres Jahrhunderts erzwang. „Noch kleben damalsauch der ältesten Grofsindustrie, der Spinnerei, die Eier-schalen kleingewerblicher Zustände an. Das Abstreifen dieserEierschalen ist die Geschichte der englischen Baumwoll-industrie, welche in dem Mafse die Eigentümlichkeiten derGrofsindustrie entwickelt, als sie um die Herrschaft des Welt-marktes zu kämpfen hat. Von diesem Gesichtspunkte auswird die ungeheure Masse verworrener Blaubuchsberichtedurchsichtig 1 ."
Wenn heute die deutsche Industrie als ernsthafte Neben-buhlerin der englischen auf den offenen Märkten der Welt auf-tritt, so verdankt sie diese Kraft gewifs dem scharfen Luftzugeder Konkurrenz, welcher fast stets Uber die Grenzen des Zoll-vereins dahinfegte. Deutschland war nie ein Land des Hoch-schutzzolls; es hat im Laufe des Jahrhunderts zweimal seineIndustriezölle in entschieden freihändlerischem Sinne abgebaut,und Sachsen, der industriellste Teil Deutschlands , verfolgteim vorigen Jahrhundert in Rücksicht auf die Leipziger Messe eine eher freihändlerische Politik. Die kräftigsten deutschen Industrien, z. B. die Eisen-, die Baumwoll-, die Wollindustrie,entwickelten sich im Laufe dieses Jahrhunderts unter steterEinwirkung der englischen Konkurrenz und unter Zöllen,welche im Vergleich mit dem russischen Tarif von 1891geringfügig zu nennen sind. Demgegenüber erwies sich die