— 276 —
Beschneidung der Zölle durch Zollherabsetzung würde indieser Hinsicht, ähnlich der Zinskonversion einer Staats-anleihe wirken, entlastend für die Zahlungsbilanz.
2. Rufsland ist der Yerbilligung der Industrieprodukte,wie sie in Westeuropa in den letzten Jahrzehnten eintrat,keineswegs gefolgt. Nach Mitchell betrug in den sechzigerJahren der Preisunterschied von Garnen mittlerer Nummerzwischen England und Rufsland 30 °/o und waren die russi-schen Preise nur unbedeutend höher als die im Zollverein.Seitdem ist das Verhältnis zu Gunsten Englands und mehrnoch Deutschlands verschoben worden. Die russischen Pro-dukte sind heute im Vergleich zu Westeuropa verhältnismäfsigviel teurer als vor 30 Jahren 1 . Das ist das Gegenteil derWirkung, welche ein erziehlicher Schutzzoll im Sinne vonFr. List haben soll.
Besonders drückend ist diese Teuerung der Industrie-produkte dort, wo es sich nicht um Luxusgegenstände handelt,sondern um Halbfabrikate und Hilfsmittel, welche weiterergewerblicher oder landwirtschaftlicher Produktion dienen. Fürdie Preisgestaltung der wichtigsten Ausfuhrwaren ist die Höheder russischen Produktionskosten gleichgültig: für sie herrscheninternationale Preise. Die russischen Industriezölle belastenalso hier in vollem Betrage den Produzenten. Besondersschwer lasten in dieser Hinsicht Eisenzölle.
Nach Radzig sind die Preise der Eisenwaren auf derMesse von Nischni-Nowgorod seit den vierziger Jahren ehergestiegen. „Verfolgt man die Preise für die wichtigsten Eisen-waren auf dem Jahrmarkte zu Nischni-Nowgorod im Laufeder letzten 50 Jahre, so zeigt sich, dafs sie teils gestiegen sind,teils sich kaum verändert haben. In den vierziger Jahrenkostete Bandeisen 95—160 Kreditkopeken, in den neunzigerJahren aber schwankte sein Preis von 1 Rubel 35 Kopekenbis 2 Rubel 95 Kopeken. Eisenblech wurde in den vierzigerJahren bis zu 1 Rubel 6 Kopeken für das Pud abgelassen