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werden. Nach Radzig wird das gesamte Eisenbahnmaterial füreine Werst sibirischer Bahn durch den Zoll um ca. 10000 H.,d. h. um etwa 100% des Weltmarktpreises verteuert. Mindestensdas Gleiche gilt vom rollenden Material 1 . Was diese Verteuerungdes Eisenbahnbaus nicht nur für Rufslands Ausfuhr, sondernauch für seine strategischen Zwecke bedeutet, liegt auf derHand.
3. Prüfen wir endlich die Einwirkung des Zolles auf denAbsatz der Industrieprodukte.
Die Höhe der russischen Zölle verschliefst die Möglich-keit der Ausfuhr auf neutrale Gebiete, wo der Kampf mitIndustrien zu bestehen wäre, die unter härteren Daseins-bedingungen aufgekommen sind. Aber Mittelrufsland besitztwie Lancashire sein Indien, nur nicht durch langen Seeweg-getrennt, sondern nahe bei der Hand: die riesigen, landwirt-schaftlichen Flächen Rufslands und Asiens . Noch ist eingrofser Teil dieser Märkte durch die daselbst herrschendeNaturalwirtschaft gesperrt. Ähnlich wie Indien erst AbnehmerEnglands in grofsem Stile wurde mit dem Eisenbahnbau undder Getreideausfuhr, so ist das wichtigste Interesse derrussischen Industrie die Entwicklung der Geldwirtschaft unterden Massen der russischen Landbevölkerung. Damit sindMillionen von Abnehmern und eine breitere Basis für denrussischen Kapitalismus zu gewinnen.
Dieser enge Interessenzusammenhang der industriellenmit der agraren Entwicklung tritt in der Litteratur und derPresse merkwürdig wenig zu Tage: die Industriellen und ihrelitterarischen Vertreter verteidigen in sehr handgreiflicherWeise ihre nächstliegenden Interessen, welche ihnen allein inder Prohibition zu liegen scheinen. Dagegen überlassen sieneidlos den Theoretikern das Gebiet der Agrarpolitik, aufwelchem zwar Luftschlösser aufzubauen, aber keine Dividendenzu sammeln sind. Die Theoretiker aber wandeln in der Nebel-welt des Gemeindebesitzsocialismus, durch welche ihren Augendie Schlote Moskaus verhüllt werden. Schade nur: auf diese
1 Radzig a. a. O. S. 54/56.