Weise kam mehr als einmal das thatsächliche Interesse derLandwirtschaft zu kurz; sodann aber wird von den Industrie-praktikern nur allzu häufig die Thatsache vergessen, dafs inRufsland das Wohl der Industrie wie des Fiskus in letzterLinie von der Zahlungsfähigkeit der Landbewohner abhängt.
Die Abhängigkeit der Industrie von der Lage der Land-wirtschaft zeigt sich z. B. darin, dafs der Ausfall der NischnierMesse und damit die Entscheidung über die Lage der Industrievon dem Ernteergebnis des Jahres abhängt*, welches zur Zeitder Messe soeben übersehbar wird. Insbesondere zeigen dieZiffern der Ernteergebnisse und der Produktion der Baum-wollindustrie den auffallendsten Parallelismus 2 .
Das russische Volk ist eben der russische Bauer, unddieser ist gröfstenteils nur soweit in die Geldwirtschaft ein-bezogen, als er einen Teil seiner Ernte zwecks Steuerzahlungverkauft. Die stets vorhandenen Steuerrückstände ermöglicheneinen Schlufs darauf, wie wenig bar Geld zu anderen Zweckenzur Verfügung steht. Daher ist der Verbrauch an Industrie-produkten in Rufsland äufserst gering. Der jährliche Eisen-verbrauch betrug nach Issajeff in letzter Zeit in Rufsland 45 Pf.pro Kopf der Bevölkerung, dagegen in Deutschland 220 Pf.,in England, Belgien und den Vereinigten Staaten 280 Pf. 8 .Nach Nicolai—on ist sogar in dem Jahrzehnt von 1880—1890,also während der schutzzöllnerischen Erfolge der achtzigerJahre, der Gesamtverbrauch Rufslands an Industriewaren,heimische Produktion und Einfuhr zusammengenommen, von18 auf 17 Rubel pro Kopf gefallen 4 . So wenig ich dieseZiffern für unangreifbar halte, so dürfte doch feststehen: derVerbrauch an Industrieprodukten entwickelt sich in Rufslandnur langsam; seine Ausdehnung ist das wichtigste Interesseder Industrie.