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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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im Winter eine kältestarrende Schneesturmregion" b Die Aus-beutung dieser Naturschätze ist jedenfalls ferner Zukunft vor-behalten, abhängig insbesondere von vorhergehendem, riesen-haftem Eisenverbrauch im Bahnbau (Samarkant-Tomsk).

Dagegen ist bereits im Besitz einiger Eisenhütten dasreiche Berggebiet des Altai , welches seit alters dem kaiser-lichen Kabinette gehört. Es steht durch schiffbare Strömemit dem westlichen, dichtest kolonisierten Sibirien in Ver-bindung, erfreut sich eines günstigen Klimas und besitzt einenamhafte Goldproduktion. Das dem Altai angehörige Kohlen-becken von Kusnezk nennt Keppenbeinahe das gröfste allerbekannten." Es ist fast so grofs, wie alle SteinkohlenfelderEuropas zusammen; die Mächtigkeit der Kohlenlager beträgtmehrere Meter. Die Anwendung der Kohle zur Coakserzeugungist durch die kaiserliche Eisenhütte zu Gurieffsk festgestellt.Eisen- und Magnetitlager laden zur Entwicklung der Eisen-industrie ein. Aber auch hier sind die wirtschaftlichenVerhältnisse zur Zeit solche, dafs nur eine allmähliche Ent-wicklung zu erwarten ist. Diese Entwicklung mag nach deroffiziösen Ökonomischen Rundschau eineFrage kurzer Zeit" 2sein; trotzdem wird ihr zweifelsohne der stark anwachsendeBedarf Sibiriens an Eisenbahnmaterial, Maschinen und land-wirtschaftlichen Geräten voraneilen.

Für die praktisch in Betracht kommende Zukunft alsoist Sibirien auf Eiseneinfuhr angewiesen; als Eisenlieferernach Rufsland kommt es nicht in Betracht; seine Erschliefsungwirkt zunächst Eisen verteuernd.

Im Kaukasus findet sich Kohle im Gouvernement Kutais ,über deren Koksbarkeit mir widersprechende Mitteilungenzugehen. Auch über das Eisenvorkommen ist das Urteilnoch nicht abgeschlossen; im Gouvernement Elisabetpol,also immer noch ziemlich weit von Kutais, sind neuerdingsbeträchtliche Eisenlager entdeckt worden. Als Eisenproduzent

1 Bohrbach, Erfolge der russischen Wirtschaftspolitik, DeutscheRundschau 1897, S. 105.

2 Vergl. Ökonomische Rundschau, November 1898, S. 25.