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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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kommt der Kaukasus gegenwärtig nicht in Betracht. Auchliegen für die nächste Zukunft andere Gelegenheiten zurgewinnreichen Kapitalanlage im Kaukasus viel näher. Aufserder Naphthaindustrie, welche an Leistungsfähigkeit die amerika-nische übertrifft, kommt die Gewinnung von Manganerzen inBetracht, für welche der Kaukasus die reichste Fundstätte derWelt ist. Uber Batum wird dieser wichtige Hilfsstoff der Eisen-industrie in grofsen und wachsenden Mengen ausgeführt,auch in das Gebiet der südrussischen Montanindustrie. Diewichtigsten Absatzgebiete sind jedoch Deutschland, England ,Nordamerika , 1897 mit einer Ausfuhr von 70810, bezw. 68650,bezw. 42 200 Tons 1 .

Die breiten Flächen des mittleren Rufsland besitzenkeine zur Eisenverhüttung geeignete Kohle. Ihre Holzvorrätesind zu gering, und Holz ist daselbst zu teuer, um für dieEisenindustrie in Betracht zu kommen.

Dagegen gewinnen neuerdings die Erzvorkommen immittleren Rufsland eine wachsende praktische Bedeutung, fürderen Verhüttung südrussischer Koks zu Gebote steht. Einin verschiedenen Montanbezirken thätiger Eisenindustriellerschreibt mir hierüber folgendes:Tulaer Erze spielen schonseit lange eine nicht unbedeutende Rolle. Der Bedarf derTulaer und Kalugaer Hochöfen von zehn Millionen Pud jährlichwird in Tula selbst gedeckt. Soeben beginnt die Gesellschaftder Wolga -Stahlwerke ein Erzlager von 200 Millionen Pud ander Wolga auszuarbeiten; soeben werden auch die auf sieb-zehn Millionen Tons geschätzten Spherosiderite von Kromy(Gouv. Orel) durch die neugegründete belgische Societe desHauts Fourneaux d'Orel in Angriff genommen. Die sonder-baren magnetischen Deklinationserscheinungen im KurskerGouvernement legen den Gedanken nahe, dafs auch dort einneuer Eisenerzbezirk entstehen wird."

Wir kommen nunmehr auf die drei wichtigsten Gebiete

1 Bericht des englischen Konsuls zu Batum, April 1898, S. 8.

v. Schulze-Gaevernitz, Studien a. Rufsl. 19