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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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der Eisenproduktion, auf welche sich 1895 die Erzeugung infolgendem Verhältnis verteilte 1 .

Rolieisen

Eisen

Stahl

Kohle

°/o

%

%

°/o

Bezirk Ural. . . .

36

56

7,7

2,9

Donez . . .

40

6

42,0

54,0

Polen . . .

14

14

23,0

40,0

Polen besitzt aufserordentlich reiche Kohlenschätze,welche die Fabriken und Eisenhahnen Polens reichlich mitBrennmaterial versorgen. 40 °/o der ganzen russischenKohlenproduktion fielen 1895 auf Polen . Jedoch ist diepolnische Kohle zur Verkoksung wenig geeignet und diepolnische Eisenindustrie auf schlesische Kokse angewiesen.Die Herbeischaffung südrussischer Koks nach Polen ist nurmöglich bei stark herabgesetzten Eisenbahntarifen; Erhöhungder Kokszölle träfe die Daseinsbedingungen der polnischenEisenindustrie.

Eisenerze sind in Polen zwar reichlich vorhanden, abervielfach von geringer Qualität; deswegen wurde früherRoheisen aus Deutschland und wird heute ein Teil der Erzeaus Südrufsland zugeführt. Die Entfernung von den süd-russischen Erzgruben beläuft sich auf circa 1300 Werst (1 Werstetwas über 1 Kilometer). Uber die wachsende NachfragePolens nach südrussischen Erzen finden sich wiederholte An-gaben im Russischen Finanzboten (Organ des Finanz-ministeriums) 2 .

Man ist also vielleicht zu der Behauptung berechtigt: dieEisenindustrie Polens verdankt ihre Bedeutung innerhalb derrussischen Volkswirtschaft weniger ihrer natürlichen Grund-lage, als jenen wirtschaftlichen Vorzügen in Bezug auf Arbeit

1 Ziffern entnommen Luxemburg a. a. 0. S. 28.

2 Z. B. Finanzbote, 5. Januar 1896.