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Arbeitsfeld des Merkantilismus; in Südrufsland eine völligkoloniale Industrie jüngsten Datums — dort eine alt eingesessene,in den Nachwirkungen der Leibeigenschaft fortlebende Bevölke-rung; hier bunt zusammengewürfelte Arbeitermassen aus weiterEntfernung, zum Teil aus dem Auslande durch das Zauberwortdes Kapitals in die menschenleere Steppe gerufen — dort bliebein allmähliges Werden entsprechend der Beschränktheit deseinheimischen Kapitals in kleineren Betrieben stecken; hierwurden Grofsbetriebe ersten Ranges und alle Errungen-schaften der neuesten Technik mit einem Schlage durch aus-ländisches Kapital auf den Boden „Neurufslands" hingesetzt —dort wird der Verkehr noch heute vermittelt durch Flofs undAxe ; hier herrscht, ohne dafs die Landstrafse voranging, derSchienenweg.
Betrachten wir zuerst die geologische Grundlage derEisenindustrie des Donez -Dnjeprbeckens.
Blicken wir auf die Karte des südlichen, durch dasAsowsche Meer bespülten Rufslands (S. 297) und verfolgenwir den Lauf des Kalmius-Flüfsleins.
In einer Entfernung von 50 Werst nördlich von derMündung dieses Flusses treffen wir auf den Kohlen führendenKalkstein. Wenn wir, von diesem Punkte ausgehend, dasan den Tag tretende Flötz in östlicher Richtung verfolgen, sogelangen wir, fast mit der Meeresküste parallel gehend, biszum Zusammenflufs des Don und des Donez ; von dort ausgehen wir dem Lauf dieses letzteren Flusses nach bis zurStadt Slaviansk und kommen von dieser bergabwärts wiederauf den Ausgangspunkt zurück. Wir haben alsdann denWeg um das Donezbecken zurückgelegt, welches eine Flächevon 2 500000 Defsjätiuen (2 730000 ha) besitzt, also etwa das18 fache der belgischen Kohlenbecken.
Die östlichen 2 /a des Beckens enthalten Anthrac.it; daswestliche Drittel des Beckens dagegen führt in reichlicherMenge qualitativ hervorragende, koksbare Backkohlen, welchedie Grundlage des Hochofenprozesses bilden.
Am wichtigsten sind die Lager des Oberen Kalmius,welche den eigentlichen industriellen Mittelpunkt des ganzen