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Ähnliches ist zu sagen von den Staatsrnafsnahmen, welchedas öfters angeführte Buch eines hohen Staatsbeamten „Mils-ernte und Volksarmut" empfiehlt. Musterwirtschaften, landwirt-schaftliche Unterrichtsanstalten, Beforstungen, Bewässerungs-anlagen u. s. w. erfordern Geld, in wirksamem Umfangedurchgeführt viel Geld 5 einige dieser Vorschläge, z. B. dieErhöhung des Wasserspiegels des Kaspischen Meeres und dieAnlage grofser Schutz Waldungen im Südosten erfordern sehrviel Geld. Sie sind daher abhängig in ihrer Durchführungvon einer wachsenden Steuerfähigkeit der Bevölkerung.
In diesem Zusammenhange sind auch die Verdienste dergegenwärtigen Regierung um Erweiterung des Volksschul-unterrichts anzuerkennen. Kein Mittel trägt so wie diesesbei zur Hebung der geistigen und damit der wirtschaftlichenLage des Bauern. Aber so lobenswert die freiwillige Mitarbeitaller Kreise der russischen Gesellschaft im gegenwärtigenStadium der Sache ist, so erfordert doch die thatsächlicheDurchführung des hohen Zieles eines allgemeinen und obli-gatorischen Volksschulunterrichtes die Bereitstellung sehr be-trächtlicher Mittel und hängt in letzter Linie ab von der Ent-wicklung des Staats- wie der Landschaftsbudgets 1 .
Die volkswirtschaftliche Reformthätigkeit des Staateskönnte mit ganz anderer Energie einsetzen, wenn es gelänge,die unproduktiven Posten des Ausgabebudgets zu beschneiden.In Betracht kämen hier vor allem die Ausgaben des Land-lieeres; dieselben sind für einen Staat, der nach Europa hingesättigt und von Europa her jedes Angriffes sicher ist, un-verhältnismäfsig hoch. Waren doch in letzten Jahren dieseAusgaben vielfach gröfser als die Ausgaben Frankreichs undDeutschlands , während die steuerliche Basis doch viel wenigertragfähig ist 2 .
1 Nach Räffalowich, Marclie financier, 1896/97, S. 361 betrugen1895 die Ausgaben des Ministeriums der Volksaufklärung nur 23,6 Mill.bei einem ordentlichen Ausgabebudget von 1129 Millionen.
2 So betrugen z. B. 1896 die Ausgaben für Landheer inkl. Pensionenin Deutschland 634 Mill. Mark, in Prankreich 557 Mill. Mark, in Rufs-land 636 Mill. Mark. Vergl. Die Ausgaben für Landheer und Flotte,