Druckschrift 
Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
580
Rechtsdrehung 90°Linksdrehung 90° 
  
  
  
  
  
 
Einzelbild herunterladen
 

— 580 —

Rufsland verfolgen läfst 1 , in der heute ganz andere Artikeleine Rolle spielen, als vor zwanzig Jahren.

Werfen wir einen Blick auf die russische Einfuhr ausEuropa , wobei wir als den wichtigsten und bezeichnendstenFall die Ausfuhr Deutschlands nach Rufsland in das Augefassen — natürlich in diesem Zusammenhang vom Standpunktder russischen Volkswirtschaft aus.

Auch hier gilt der Satz von Josiah Tucker , dafs in einemjungen und kapitalarmen Lande zunächst solche Industrienentwicklungsfähig sind, in deren Produktionskosten das Elementdes Rohstoffes gegenüber Arbeit und Kapital eine verhältnis-mäfsig bedeutende Rolle spielt 2 . Daher hat — vom russischenInteressenstandpunkt aus mit Recht — das Ausland 3 imdeutsch- russischen Handelsvertrag auf dem Gebiete dieserIndustrien geringe Zugeständnisse erreicht.

Rufsland kommt als Markt für ausländischen Zuckernicht mehr in Betracht; die geringen von Deutschland hin-sichtlich Finlands erlangten Zugeständnisse sind, schon weilzeitlich begrenzt, ohne gröfsere Bedeutung. Ähnliches giltvon der Papierindustrie, deren Rohstoffe Rufsland in reich-licher Menge besitzt — wenigstens hinsichtlich der gewöhn-lichen Massenerzeugnisse; dagegen hat der Handelsvertrag dieAusfuhr qualifizierter Papiere (Bunt-, Pholographiepapier,Papierwäsche u. s. w.) gefördert. Auch auf dem Gebiete derin Rufsland hochentwickelten Glasindustrie, welche hier,wie so häufig, den Wäldern folgt, hat Deutschland seit dem Be-ginn der 80 er Jahre eine starke Einbufse an seiner Aus-fuhr erlitten, mit der es auch nach Vertragsabschlufs zu

1 Vergl. Auswärtiger Handel des deutschen Zollgebietes 1880/96,herausgegeben vom Reichsamt des Innern. V. Rufsland. — InteressanteBeispiele über die Abnahme der Einfuhr einzelner industrieller Pro-dukte giebt Pokrowski, Uber die Festigkeit der russischen Handels-bilanz, S. XXVII/XXX. Leider fehlt die Zeit nach Absclilufs derHandelsverträge völlig.

2 Vergl. meinen „Grofsbetrieb". Leipzig 1892, S. 8.

3 Der Vertragstarif mit Deutschland gilt bekanntlich auch für dieübrigen meist begünstigsten Nationen.