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Premier aber die Gegnerschaft desselben d. h. die mächtigenArbeitgeber zu sehr fürchtete, um es weiter zu verfolgen.
Wir haben im vorhergehenden gesehen, wie mit demAufkommen der Grofsindustrie in England die sogenanntesociale Frage mit einer Schärfe auftritt, welche für das be-stehende Gesellschaftssystem verhängnisvoll werden zu müssenschien, wie die Klassengegensätze sich dermafsen zuspitzen,dafs eine friedliche Lösung kaum noch zu hoffen war undalle Anzeichen auf einen gewaltsamen Zusammenbruch deu-teten. Wir haben zugleich gesehen, wie mit diesen äufserenZuständen eine individualistische Gesellschaftsanschauung undWeltauffassung auf das innigste verwachsen war.
Ein ungeheurer Umschwung vollzieht sich in den fünfzigJahren, welche zwischen der soeben behandelten Zeit undderjenigen liegen, auf die wir am Schlüsse dieses Werkeseingehen werden. Die Veränderung betrifft einmal die äufse-ren Formen des socialen Lebens und eröffnet in der Hebungdes Arbeiters zu gesellschaftlicher, politischer und geistigerGleichberechtigung mit den bisher herrschenden Klassen be-reits Aussichten in eine durchaus neue Zukunft, welche denKulturnationen bevorzustehen scheint. Im einzelnen zeigtsich diese Veränderung in einer Erhöhung der Lebenshaltungder Arbeiter und ihrer wachsenden Organisation; letztere istdurch die Werke Brentanos (von dessen Buch über die Ge-werkvereine glücklicherweise eine zweite Auflage zu er-warten steht), Baernreithers und anderer bekannt geworden.
Aber neben jenen äufseren Veränderungen vollzieht sichein gleich gewaltiger Umschwung auf dem Gebiete des Denkensund der Weltanschauung der Nation — zwei Entwicklungs-reihen, welche sich gegenseitig ursächlich beeinflufsen. Dieletztere in ihrer Entstehung an die Vergangenheit anzuknüpfenund in ihren mannigfachen Verzweigungen zu verfolgen,