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1 (1890)
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widerlegen sucht, vielmehr dieselbe in sich aufnimmt. Einer-seits giebt sie zu, dafs die sinnliche Erfahrung allein Gegen-stand der Erkenntnis sei, sie gesteht damit die erkenntnis-theoretische Berechtigung der materialistischen Weltbetrachtungzu. Andererseits aber stellt sie doch diese Berechtigung alseine relative fest und hebt damit den Materialismus als Welt-anschauung auf; sie begründet so die Möglichkeit eines Glau-bens. Dabei aber schneidet sie ein für alle mal den Versuchab, den Glauben verstandesgemäfs zu beweisen. Sie hebtalle spekulative Metaphysik auf, und leitet, um den berühmtgewordenen Ausdruck Comtes zu gebrauchen, mit dessen Ge-danken auch hier Carlyle sich enge berührt, eine Periode desPositivismus" ein; sie bildet in Carlyleschem Ausdruck dieEuthanasie der Metaphysik" E Carlyle braucht folgendenVergleich, um die Bedeutung der neuen Richtung darzulegen:die bisherige Philosophie, wie sie in England und Frankreich noch herrsche, bedeute einen stets erfolglosen Versuch desGeistes, sich über den Geist zu erheben, ihn einzuschliefsenund zu umfassen, ähnlich wie der stärkste Athlet sich stetsvergeblich bemühen würde, den eigenen Körper mit seinenArmen zu umfassen und empor zu heben. Jener irische Heiligesei zwar über den Kanal geschwommen und habe dabei seinenKopf zwischen den Zähnen gehalten, aber noch keiner habees ihm nachgemacht. Der einzige Dienst vielmehr, den manjenem Athleten leisten könne, bestehe darin, ihn zu bewegen,aus seiner lähmenden Positur herauszutreten und eine freie,natürliche Stellung einzunehmen 2 . Einen ähnlichen Diensthat die von den Deutschen eingeleitete Bewegung dem mensch-liehen Geiste geleistet. In ihr erreicht der Skepticismus denPunkt, wo die Negation sich selbst aufhebt, wo es als ein

1 Briefe an Emerson Bd. I, S. 67.

- Yergl. Kretzschmar II, S. 251.