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Boden nicht ebenso im freien Eigentum des einzelnen stehtals die fahrende Habe.
Auf solche Erwägungen baut Carlyle den Plan, nach demalle diejenigen, welche keine Arbeit finden können, zu so-genannten „industrial regiments" zusammengefafst und mitihnen die Kultivierung jener Ödländereien in die Hand ge-nommen werden sollte. Für alle Arbeitsfähigen sollten siejede weitere Armenunterstützung schlechthin ausschliefsen 1 .
Noch ein Wort über Carlyles Stellung zu Deutschland :Carlyle legte der Einigung Deutschlands eine Bedeutung bei,mit der er nur das Ereignis der Zeitgeschichte zu vergleichenwufste, in welche der Tag seiner Geburt noch hineingefallenwar. Damals hatte die französische Devolution Europa durch-zittert; die Geschichte war seitdem „eine Periode der Re-volution" gewesen. Nun war ein Ereignis wieder eingetreten,welches den Sieg einer positiven Macht bedeutete. „Dafs dasedle, duldsame, fromme und feste Deutschland endlich zueiner Nation zusammengeschmolzen ist und die Vorherrschaftdes Kontinentes angetreten hat, — — das scheint mir diehoffnungsvollste öffentliche Thatsache, die sich in meinerLebenszeit ereignet hat" 2 .
Nicht als ob Carlyle Deutschland von der allgemeinenEntwicklung ausgenommen geglaubt hätte. Die sociale Frage,die sich bereits früher für England erhoben hatte, klopftedamals auch an seine Thür. Dieselben Probleme, dieselbenKämpfe standen ihm bevor. Aber noch waren in Deutschland -Preufsen geschichtliche Mächte aus früherer Zeit überkommen,welche — ihrerseits zwar gewifs auch vergänglich — nochauf lange hinaus imstande schienen, den Bestand der Gesell-
1 Vergl. z. B. Social Arrows by Lord Barbazon, London 1887, S. 184über Notwendigkeit staatlich geleiteter Kolonisation.
2 Letter to tlie Times, 11 Nov. 1870.
v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 19