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Besonders geeignet, die Annäherung der Klassen zu be-fördern, sind natürlich die sehr zahlreichen geselligen Zusam-menkünfte der Arbeiter. Häufig sorgen die zu wirtschaftlichenZwecken errichteten Arbeitervereine auch nebenbei für geselligeBedürfnisse, so besonders die Genossenschaften. Daneben sindüber das ganze Land rein gesellige Arbeitervereine verbreitet,bald mit politischer Tendenz, häufig auch ausschliefslich fürgesellige Zwecke (working men's clubs). Überall wird heuteein gebildeter Mann, welcher diese Vereine als Gast betritt,mit Zuvorkommenheit aufgenommen.
Auch hier zeigt sich wieder der oben angedeutete Unter-schied. In London stehen viele und die besten dieser Ver-eine unter der Leitung oder dem Einflufs von Männern dergebildeten Berufe, obwohl natürlich auch hier äufserlich dieForm der Selbstregierung herrscht. Der Klassengegensatz istso auch in London vielfach überbrückt, aber nicht ver-schwunden. Im Norden dagegen begegnen die Arbeiter inihren Vereinen sieh mit den „Angehörigen der professionellenBerufsarten", Juristen, Geistlichen, Ärzten u.s.w. — dennauch hier sind es mehr diese, als die eigentlich kapitalistischenKlassen — auf gleichem Fufse als freie Glieder eines freienStaates. Dementsprechend hört man in Londoner Arbeiter-klubs oft Ansichten eines weitgehenden Radikalismus, die vondem Hauche der festländischen Socialdemokratie berührt er-scheinen; man findet besonders unter den der Grenze desElends nahe stehenden Arbeitern nicht selten den Glaubenan die Unabänderlichkeit ihrer Lage unter der bestehendenGesellschaft, worauf alle Umsturzrichtungen beruhen. ImNorden dagegen unterscheiden sich die politischen Ansichten,welche man in den Debatten der Arbeitervereine hört, wenigvon denen der oberen Klassen; sie zeichnen sich häufig durchMäfsigung und praktischen Sinn aus. In Newcastle und an-