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2 (1890)
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aber viele nicht das ganze Jahr hindurch Unterstützung er-halten, so ist die Zahl der überhaupt auf die Annenpflegeangewiesenen bedeutend gröfser. Sie wird von Mulhall 1 aufetwa drei Millionen geschätzt, von Dudley Baxter 2 sogaretwas mehr, von Dr. G. B. Longstaff dagegen pur auf zweiMillionen 8 . Im ganzen werden über 10000 000 £ jährlichim vereinigten Königreiche für öffentliche Armenpflege aus-gegeben ein Verhältnis, welches, wie die Statistik an-deutet, nicht zum mindesten den unglücklichen Agrarverhält-nissen Englands zuzuschreiben ist. Daher denn auch nebendem Londoner Pauper der ländliche Tagelöhner socialdemo-kratischen etc. Einflüssen am zugänglichsten ist.

Die Lage dieser dem Pauperismus verfallenen Massenweist alle diejenigen Schattenseiten auf, welche für daskörperliche wie sittliche Befinden aus ähnlichen Verhältnissenüberall sich ergeben. Der Gesundheitszustand eines bedeuten-den Bruchteiles der Nation ist unter der Grenze, welche imöffentlichen Interesse zu fordern ist, wie Professor Iluxley,der berühmte Naturwissenschaftler, in der FebruarnummerdesNineteenth Century" 1888 warnend hervorhebt. Wäh-rend das durchschnittliche Todesalter unter Adel, Gentry undprofessionellen Berufen in England und Wales 55 Jahre be-trägt, ist es unter den ärmeren Klassen von Lambeth, einemStadtteil Süd-Londons, nur 29 Jähre; die Kindersterblichkeitinnerhalb des ersten Lebensjahres beträgt 8 °/o für die wohl-habenden Klassen, in vielen ärmeren Bezirken der Hauptstadt30 % und mehr.

Die angedeuteten Verhältnisse sind der Hintergrund desenglischen Socialismus. Sie allein in das Auge fassend kamen

1 Dictionary of Statistics S. 346.

2 National Income S. 87.

3 Industrial Kemuneration Conference S. 129. London 1885.

v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. II. 8