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doner County Council keine Unternehmer zu beschäftigen,welche ihren Leuten weniger als die von den Gewerkvereinenaufrecht erhaltenen Normallöhne zahlten. Das nächste Zielist, einen Beschlufs durchzusetzen, wonach die Stadtverwaltungfür ihre eigenen Angestellten einen Normalarbeitstag festsetzt.Weiter im Auge haben sie Übernahme der Wasserwerke,Gaswerke und womöglich der Docks durch die Stadtver-waltung, Mafsregeln, welche in der That diesen völlig mo-nopolistischen Unternehmungen gegenüber im allgemeinenInteresse liegen.
Indem sich so die englische Socialdemokratie zum Mund-stück durchführbarer Forderungen macht, gewinnt sie Aus-sicht, mehr und mehr Anhänger innerhalb des Arbeiterstandeszu finden. Aber in gleichem Mafse geht mit ihr selbst eineÄnderung vor sich. In den Blättern der Gewaltpartei findetsich daher heute häufig die Beschuldigung, dafs die Social-demokraten liberal geworden seien, man tadelt, dafs Ange-hörige der Konfederation an liberalen Wahlversammlungenteilnähmen und mit bekannten liberalen Abgeordneten auf der-selben Plattform gesessen hätten. Insbesondere gilt dieserBichtung John Burns als ein Abtrünniger, da seine Wahl vonzahlreichen liberalen und radikalen Vereinen unterstützt wird.
Die Socialdemokratie mit dem bezeichneten Frontwechseldagegen nähert sich mehr und mehr den Ansichten der„Fabischen Gesellschaft", welche die wissenschaft-lichen und geistig bedeutendsten Anhänger des Socialismusumfafst. Wenn jene Socialdemokraten heute mit Vorliebeden Spruch der Genesis: „Im Schweifse deines Angesichtssollst du dein Brod essen" citieren sowie das CarlylescheWort: „Wenn ein Mensch nicht arbeitet, so mufs er stehlen,wie immer er sein Stehlen benennen mag", so erblickendie Fabier mit J. St. Mill in dem „grofsen Übel des Be-