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2 (1890)
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also eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Fabiern undSocialdemokraten, wie denn auch jene sich selbst als Social-demokraten bezeichnen.

Dagegen hat die Fabische Gesellschaft von vornhereinfriedliche Fortbildung der bestehenden Gesellschaft als Zielaufgestellt. Die Idee der Aufrichtung einer Gesellschaftsutopieauf dem Wege des Umsturzes sei nicht nur unpraktisch, son-dern wissenschaftlich heute völlig unhaltbar. Der im neun-zehnten Jahrhundert gemachte Fortschritt des Denkens bestehedarin, dafs die Vorstellung der Gesellschaft nicht mehr statisch,sondern dynamisch und Fortschritt nur als Fortentwicklungder Ordnung denkbar sei. Wir sehen den Einflufs des mitden Namen Carlyles, Comtes und Darwins verknüpften Ge-dankenumschwunges. Die Fabische Gesellschaft mit einerihrem Wesen nach friedlichen Politik ist vor allen ge-eignet, den künftigen Radikalismus zu beeinflussen. IhreHauptthätigkeit besteht in der Abhaltung von Vorlesungensocialistischen Inhalts sowohl in London als in anderenTeilen des vereinigten Königreichs. Zusammengesetzt ausgebildeten, zum Teil studierten Elementen hat sie als be-sonders wichtiges Feld der Propaganda die Universitäten indas Auge gefafst. In der That sind die liberalen und radi-kalen Kreise der Universitäten heute mehr und mehr imBegriff socialistisch zu werden, wie mir z. B. eine Debatteüber Socialismus in dem Oxforder Palmerstonklub bewies.Unter den jungen Rechtsanwälten, Ärzten und namentlichunter der Geistlichkeit 1 findet man heute zahlreiche Socialisten,die keine Scheu tragen, sich Socialdemokraten zu nennen.

Die wissenschaftlichen Ansichten der Fabischen Gesell-

1 Man vergl. clen Abschnitt Socialism in tlie Churckes in SidneyWebb, Socialism in England S. 63 und den Report of Pan-AnglicanConference. (London 1888. Society for Promoting Christian Knowledge.)