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Malthus sehen die Fabier — in Übereinstimmung mit demheutigen Stand der Wirtschaftswissenschaft — in dieser Volks-vermehrung nicht die Ursache, sondern die Wirkung des tiefenElends der unteren Klassen. Sie ist die Folge einer Armut,welche den Sinn und die Möglichkeit für alle anderen Ge-nüsse aufser den geschlechtlichen getötet hat.
Nur durch Hebung, welche den Massen höhere Freudenals die rein animalischen erschliefse, ist dieser Gefahr zubegegnen. Aus diesem Grunde befürworten die Fabier socia-listischen Staatseingriff zu Gunsten der Schwachen. Ihre Politikaber ist die des Fabius Cunctator : ein schrittweises Vorrücken.Sie suchen daher als „echte Politiker" zunächst nahe und mög-liche Ziele zu erreichen in Verbindung auch mit solchen, welchedie socialistische Endforderung nicht teilen — ein „opportu-nistischer Socialismus", welcher vom Boden des Bestehendenaus den Weg der Reform beschreiten will. Indem sich auchdie Socialdemokraten mehr und mehr diesem Standpunkt zu-neigen, können wir das von der Fabischen Gesellschaft heraus-gegebene „Neue radikale Programm" als beiden Richtungenim grofsen und ganzen gemeinsam betrachten. Dieses Pro-gramm kritisiert sowohl das des heutigen Radikalen als dasdes „Torydemokraten", Lord Randolph Churchhill.
Das zu Nottingham 1887 aufgestellte Programm derRadikalen enthält folgende Punkte: 1. Männerstimmrecht.2. Freiheit des Grund und Bodens (free trade in land) d. h.Aufhebung der Beschränkungen, welche dem freien Ver-fügungsrecht entgegenstehen, Aufhebung der Fideikommisse etc.Die Socialisten entgegnen, diese Beschränkungen sind dieletzten Zeichen dafür, dafs das Land nicht als freies Eigen-tum einst dem Besitzer zustand; ihre Beseitigung käme alleinden städtischen Kapitalisten zu Gute. 3. Entstaatlichung derKirche. Nein, sagen die Socialisten, die Verbindung des Staates