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So erklärt sieh denn auch das Verhalten der Gewerk-vereine selbst gegenüber dem weit friedlicheren englischenSocialismus. Noch zu einer Zeit, da auf den Universitätenbereits zahlreiche Gelehrte und Studenten sich als Socialistenbezeichneten, da Mill diesen Namen auf sich angewendet hatte,wiesen die Gewerkvereinler das Wort Socialismus mit Ent-rüstung von sich. Zu der Socialdemokratie insbesondere, welchesich an die unter dem organisierten Arbeiterstande stehendenMassen wandte, befanden sich die Gewerkvereine im ent-schiedensten Widerspruch, soweit sie sie nicht vernachlässigten.
Das Verhältnis zum Socialismus hat sich heute verändert.Bereits auf dem Gewerkvereinskongresse zu S wansea 1887 konnteder Vorsitzende aussprechen, dafs das Wort Socialismus fürdie Gewerkvereinler seine Schrecken verloren habe. Ähnlicheszeigte sich auf dem Possibilistenkongrefs 1889 zu Paris , andem allerdings nur eine Minderheit der englischen Gewerk-vereinler beteiligt war. Thatsächlich handelt es sich abernicht sowohl um eine Veränderung in der Stimmung undpolitischen Richtung der Gewerkvereine, als vielmehr umeine Veränderung in der Bedeutung des Socialismus. DieGewerkvereinler eben waren nie Theoretiker. Als praktischeMänner ergriffen sie jedwedes Mittel, das ihrem Ziele, derHebung der Arbeit, zu dienen schien. Sobald der Socialis-mus anständig wird und die Verbindung mit ihm keine Ge-fährdung des Errungenen mit sich bringt, werden die Gewerk-vereine in allen den Fragen für Staatshülfe sein, die sie, wieFragen über Lohnhöhe und Arbeitszeit, nicht hesser selb-ständig erledigen zu können meinen. So errichteten sie den„parlamentarischen Ausschufs", welcher nunmehr seit fast zweiJahrzehnten die dem Parlamente vorliegenden Gesetzentwürfevom Standpunkt der Arbeit aus prüft, sowie seinerseits gesetz-liche Vorlagen ausarbeitet und dem Parlamente durch seinen