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2 (1890)
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vielmehr von jener als hoffnungslos bezeichneten Reservearmeeder Arbeit, zu der alle die hinabgleiten, welche nichts als dieblofse Kraft ihrer Arme anzubieten haben. Sind doch dieDocks die letzte Zuflucht für gescheiterte Existenzen aller Art.Das Angebot von Arbeit war hier unbeschränkt und entsprechendder Lehre der Nationalökonomen die Lebenshaltung der Dock-arbeiter jenes Minimum, welches die Kosten der notdürftigstenLebenshaltung beträgt; häufig auch sank sie unter jenesMinimum herab, d. h. der Dockarbeiter hungerte nicht seltenso sehr, dafs in solchen Zeiten die Zahl der Unfälle in denDocks zuzunehmen pflegte, weil der Arbeiter durch Ent-behrungen allzusehr geschwächt war. Man nannte diesaus-nahmsweise Notlage", welche aber alljährlich in den Berichtender Armenaufseher jener Bezirke wiederkehrte; die SturmflutvoiFWohlthätigkeit, die sie hervorrief, lief's mit der Ebbe dieVerhältnisse nur um so aussichtsloser zurück.

Jener Bodensatz der Gesellschaft auch war es, welcherallen socialrevolutionären Richtungen als Beweis dafür diente,dafs die Lage der Arbeiter mit fortschreitender Entwicklungsich verschlechtere, dal's die Fortschritte des gelernten Arbeiterslediglich auf Kosten des ungelernten gemacht seien. SolcheBehauptungen waren bisher kaum zu widerlegen. Denn dafsdurch Organisation zu helfen sei, hätten bis vor kurzem nochselbst die meisten Gewerkvereinler bezweifelt. So hatte auchdas ungelöste Problem des Londoner Ostends, wie wir sahen,in den arbeiterfreundlichen Kreisen der Universitäten und derprofessionellen Berufe vielfach socialistische Reformpläne ge-zeitigt.

Aber das Unerwartete geschah. Ohne dafs selbst die Or-gane der Londoner Socialdemokratie vor dem 10. August voneiner Bewegung unter den Dockarbeitern berichteten, sah manjene Massen sich gliedern, Führer wählen, deren Namen man