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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Wert und Geld.

i.

Die Ordnung der Dinge, in die sie sich als natürliche Wirklichkeiteneinstellen, ruht auf der Voraussetzung, dafs alle Mannigfaltigkeit ihrerEigenschaften von einer Einheit des Wesens getragen werde: die Gleich-heit vor dem Naturgesetz, die beharrenden Summen der Stoffe und derEnergien, die Umsetzbarkeit der verschiedenartigsten Erscheinungen in-einander versöhnen die Abstände des ersten Anblicks in eine durch-gängige Verwandtschaft, in eine Gleichberechtigtheit aller. Allein beinäherem Hinsehen bedeutet dieser Begriff doch nur, dafs die Erzeugnissedes Naturmechanismus als solche jenseits der Frage nach einem Rechtestehen: ihre unverbrüchliche Bestimmtheit gibt keiner Betonung Raum,von der ihrem Sein und Sosein noch Bestätigung oder Abzug kommenkönnte. Mit dieser gleichgültigen Notwendigkeit, die das naturwissen-schaftliche Bild der Dinge ausmacht, geben wir uns dennoch ihnengegenüber nicht zufrieden. Sondern, unbekümmert um ihre Ordnung injener Reihe, verleihen wir ihrem inneren Bilde eine andere, in der dieAllgleichheit völlig durchbrochen ist, in der die höchste Erhebung deseinen Punktes neben dem entschiedensten Herabdrücken des anderen stehtund deren tiefstes Wesen nicht die Einheit, sondern der Unterschied ist:die Rangierung nach Werten. Dafs Gegenstände, Gedanken, Gescheh-nisse wertvoll sind, das ist aus ihrem blofs natürlichen Dasein und Inhaltniemals abzulesen; und ihre Ordnung, den Werten gemäfs vollzogen,weicht von der natürlichen aufs weiteste ab. Unzählige Male vernichtetdie Natur das, was vom Gesichtspunkt seines Wertes aus eine längsteDauer fordern könnte, und konserviert das Wertloseste, ja, dasjenige, wasdem Wertvollen den Existenzraum benimmt. Damit ist nicht etwa eineprinzipielle Gegnerschaft und durchgängiges Sich - Ausschliefsen beider

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