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zeitlich zurückliegt und als solche vergessen ist, desto reiner ist dieästhetische Freude an der blolsen Form und Anschauung des Objekts,d. h. desto mehr steht es uns mit eigener Würde gegenüber, desto mehrgeben wir ihm eine Bedeutung, die nicht in seinem zufälligen subjektivenGenossenwerden aufgeht, desto mehr macht die Beziehung, in der wirdie Dinge nur als Mittel für [uns werten, dem Gefühle ihres) selbständigenWertes Platz.
Ich habe dieses Beispiel gewählt, weil die objektivierende Wirkungdessen, was ich die Distanzierung nenne, an einem zeitlichen Abstandbesonders anschaulich wird. Der Vorgang ist natürlich ein intensiverund qualitativer, so dafs die quantitative Bezeichnung durch eine Distanzeine blofs symbolische ist. Es kann deshalb der gleiche Effekt durcheine Reihe anderer Momente hervorgerufen werden, wie es sich tat-sächlich schon gezeigt hat: durch die Seltenheit des Objekts, durch dieSchwierigkeit der Erlangung, durch die Notwendigkeit des Verzichtes.Mag nun in diesen, für die Wirtschaft wesentlichen Fällen die Bedeut-samkeit der Dinge immer eine Bedeutsamkeit für uns und deshalb vonunserer Anerkennung abhängig bleiben — die entscheidende Wendungist doch, dafs sie uns nach diesen Entwicklungen wie Macht zu Machtgegenüberstehen, eine Welt von Substanzen und Kräften, die durch ihreEigenschaften bestimmen, ob und inwieweit sie unsere Begehrungen be-friedigen, und die Kampf und Mühsal von uns fordern, ehe sie sich unsergeben. Erst wenn die Frage des Verzichtes auf taucht — des Ver-zichtes auf eine Empfindung, auf die es doch schliefslich ankommt —ist Veranlassung, das Bewufstsein auf den Gegenstand derselben zurichten. Der Zustand, den die Vorstellung des Paradieses stilisiert undin dem Subjekt und Objekt, Begehrung und Erfüllung noch nicht aus-einandergewachsen sind — ein Zustand nicht etwa einer historisch ab-gegrenzten Epoche, sondern ein allenthalben und in sehr mannigfachenGraden auftretender — ist freilich zur Auflösung bestimmt, aber ebendamit auch wieder zur Versöhnung: der Sinn jener Distanzierung ist,dafs sie überwunden werde. Die Sehnsucht, Bemühung, Aufopferung,die sich zwischen uns und die Dinge schieben, sind es doch, die sie unszuführen sollen. Distanzierung und Annäherung sind auch im Prak-tischen Wechselbegriffe, jedes das andere voraussetzend und beide dieSeiten der Beziehung zu den Dingen bildend, die wir, subjektiv, unserBegehren, objektiv, ihren Wert nennen. Den genossenen Gegenstandfreilich müssen wir von uns entfernen, um ihn wieder zu begehren; demfernen gegenüber aber ist dies Begehren die erste Stufe der Annäherung,die erste ideelle Beziehung zu ihm. Diese Doppelbedeutung des Be-