91
anderen gemeinsam ist, geheftet hat. Nur ein irriger Begriffsrealismus,der mit dem allgemeinen Begriff als mit dem vollgültigen Vertreterder einzelnen Wirklichkeit operiert, läfst uns glauben, dafs wir dieWerte der Dinge durch Reduktion auf einen allgemeinen Wertnennerempfinden, durch Hinleitung auf ein Wertzentrum, in dem sie sich nurals quantitativ höhere oder niedere, in letzter Instanz aber gleichartigedarstellten. Wir werten vielmehr das Individuelle oft genug, weil wireben gerade dies wollen und nichts anderes, dem wir vielleicht das-selbe oder ein höheres Quantum von Glückswert für uns zugebenFeinere Empfindungsweisen unterscheiden sehr genau das Mafs vonGlücksgefühl, das der bestimmte Besitz uns bereitet, durch das er abermit anderen vergleichbar und vertauschbar wird, von seinen spezifischen,jenseits seiner eudämonistischen Folgen liegenden Bestimmtheiten, durchdie er uns gleichfalls wertvoll und insofern nun völlig unersetzlich seinkann. Dies tritt mit einer leichten Modifikation, aber doch sehr be-zeichnend hervor, wenn persönliche Affektionen oder Erlebnisse einen ansich häufigen und fungibeln Gegenstand für uns mit Unersetzlichkeitausgestattet haben. Über den Verlust eines solchen kann uns unterkeinen Umständen ein ganz gleiches Exemplar derselben Gattung trösten— sondern viel eher vermag dies ein Gut, das völlig anderen Qualitäts-und Gefühlskomplexen angehört, das an jenes überhaupt nicht erinnertund jede Vergleichung mit ihm ablehnt! Diese Individualform desWertes wird in demselben Mafse negiert, in dem die Objekte tauschbarwerden, so dafs das Geld, der Träger und Ausdruck der Tauschbarkeitals solcher, das unindividuellste Gebilde unserer praktischen Welt ist.Insoweit die Dinge gegen Geld vertauscht werden — nicht ebenso imNaturaltausch! — haben sie an dieser Unindividualität Teil, und mankann den Mangel jenes spezifischen Wertes an einem Dinge nichtschärfer ausdrücken, als dafs man seine Stelle durch sein Geldäquivalentausfüllen läfst, ohne eine Lücke zu empfinden. Das Geld ist nicht nurder absolut fungible Gegenstand, von dem also jedes Quantum durchbeliebig andere Stücke ununterscheidbar ersetzt werden kann, sondern esist sozusagen die Fungibilität der Dinge in Person. Dies sind die beidenPole, zwischen denen alle Werte überhaupt stehen: einerseits das schlecht-hin Individuelle, dessen Bedeutung für uns nicht in irgend einem allge-meinen, in irgend einem anderen Objekt gleichfalls darstellbaren Wert-quantum liegt, und dessen Stelle innerhalb unseres Wert Systems durchnichts anderes ausfüllbar ist, andrerseits das schlechthin Fungible,zwischen beiden bewegen sich die Dinge in verschiedenen Graden derErsetzbarkeit, bestimmt danach, in welchem Mafse sie überhaupt ersetz-