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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Index für die des anderen abgäbe. Zu dieser Reduzierung der Be-deutung jedes Geldquantums als solchen auf einen Bruch, der es nochganz dahingestellt sein läfst, von welcher absoluten Gröfse er diesen be-stimmten Teil ausmacht, ist es nicht ohne Beziehung, dafs die Römerihre Münzen mit einer besonders begründeten Ausnahme nichtnach der absoluten, sondern der relativen Schwere benannten. So be-deutet as nur ein Ganzes aus 12 Teilen, das ebensogut auf die Erbschaftwie auf die Mafse oder Gewichte beziehbar ist und ebenso für das Pfundwie für jeden beliebigen Teil desselben gesetzt werden kann. Und dafshier blofs die Relativität des Maises bewufst und wirksam ist, wird auchdurch die Hypothese nicht alteriert, nach der das as vor Urzeiten eineKupferstange von absolut bestimmtem Gewicht bedeutet habe.

Jetzt mufs die schon angedeutete Restriktion an dem Begriff desGesamtgeldquantums etwas genauer vollzogen werden. Dafs man nichteinfach sagen kann, es gäbe so viel kaufendes Geld, wie es kaufbareWare gibt, liegt nicht etwa an der unermefslichen Quantitätsdifferenz,die zwischen allen angehäuften Waren auf der einen Seite und allemangehäuften Geld auf der anderen bestünde. Denn da es keinen gemein-samen Malsstab für beide, wie für qualitativ gleichgeartete Dinge, gibt,so besteht zwischen ihnen überhaupt kein unmittelbares Mehr oderWeniger. Kein Warenquantum hat von sich aus eine bestimmte Be-ziehung zu einem bestimmten Geldquantum, da prinzipiell alle Zweckedes Geldes mit einem beliebig verkleinerten Geldquantum erreichbarwären. Wieweit dies in Wirklichkeit gehen kann, ohne den Verkehrzu unterbinden, zeigt die berichtete Tatsache: es habe vor einigen Jahr-hunderten in Rufsland Silbermünzen von solcher Kleinheit gegeben, dafsman sie überhaupt nicht mehr mit den Händen vom Tisch habe auf-nehmen können, sondern sie aus dem Beutel auf denselben schüttete,und die zu zahlende Summe abteilte, worauf dann beide Parteien ihreTeile mit der Zunge aufleckten und in die Beutel zurückspuckten. Mankönnte sagen: welches auch der absolute Umfang des Geldvorrats sei, erbleibt, solange er die Dienste des Geldes leistet, immer gleich viel» Geld«;es variiert nur das Quantum, das diese Zeichen oder Stücke in andererBeziehung, nämlich als Material irgend welcher Art betrachtet, dar-stellen, aber ihr Quantum als Geld braucht sich dadurch nicht zu ändern.Darum gibt jener direkte Vergleich aller Waren und alles Geldes über-haupt keinen Schlufs. Die Unverhältnismäfsigkeit zwischen der Totalitätdes Geldes und der der Waren, als Nenner jener wertausdrückendenBrüche, ruht vielmehr auf der Tatsache, dafs der Geldvorrat als ganzersich viel schneller umsetzt als der Warenwert als ganzer. Denn niemand