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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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wurde, in den Niederlanden. Dadurch entstanden Schwierigkeiten, Ver-zögerungen, Kosten, die zum Ruin der spanischen Finanzen sehr vielbeitrugen. Bei anderen lokalen Bedingungen stellt sich auch sofort eineganz andere Funktionierung des Geldes ein: die Niederlande ihrerseitshatten in ihrem Kriege gegen Spanien den ungeheuren Vorteil, dafs ihrGeld ebenda, wo es war, auch seine Verwendung fand. In den Händender Niederländer war es wirklich erst »Geld«, weil es hier ungehindertfunktionieren konnte obgleich sie, auch relativ, sehr viel wenigerGeldsubstanz besafsen als Spanien , und ihre Existenz auf den Kredit ge-stellt war. Je günstiger die lokalen Bedingungen der Geldfunktion sind,mit desto weniger Substanz können sie ausgeübt werden, so dafs manparadoxerweise sagen kann: je mehr es wirklich Geld (seiner wesentlichenBedeutung nach) ist, desto weniger braucht es Geld (seiner Substanznach) zu sein.

Neben dem Einflufs lokaler Bedingungen ist es nun weiterhin dieFestigkeit und Zuverlässigkeit der sozialen Wechselwirkungen, gleichsamdie Konsistenz des Wirtschaftskreises, die die Auflösung der Geldsubstanzvorbereitet. Das zeigt sich etwa gelegentlich der Tatsache, dafs dasGeld eine immer steigende Anzahl von Wirkungen hervorbringt, währendes selbst ruht. Die manchmal auf tretende Vorstellung, dafs die ökono-mische Bedeutung des Geldes das Produkt aus seinem Werte und derHäufigkeit seiner Umsetzungen in einer gegebenen Zeit wäre, übersiehtdie mächtigen Wirkungen, die das Geld durch blofse Hoffnung undFurcht, durch Begierde und Besorgnis, die sich mit ihm verbinden, übt ]es strahlt diese auch ökonomisch so bedeutsamen Affekte aus, wie Himmelund Hölle sie ausstrahlen: als blofse Idee. Die reine Vorstellung desVorhandenseins oder des Mangels von Geld an einer bestimmten Stellewirkt anspannend oder lähmend, und die Goldreserven in den Kellernder Banken, die deren Noten decken, beweisen handgreiflich, wie dasGeld in seiner rein psychologischen Vertretung volle Wirkungen zustandebringt; hier ist es wirklich als der »unbewegte Beweger« zu bezeichnen.Nun liegt es auf der Hand, dafs diese Wirkung des Geldes als blofserPotenzialität von der Feinheit und Sicherheit der wirtschaftlichen Organi-sation überhaupt abhängt. Wo die sozialen Verbindungen locker, spora-disch, träge sind, da wird nicht nur blofs gegen bar verkauft, sondernauch das ruhende Geld findet nicht die vielen psychologischen Kanäle,durch die hin es wirken kann. Hierhin gehört auch die Doppelexistenzdes ausgeliehenen Geldes: einmal in der ideellen, aber doch höchst be-deutungsvollen Form des Aufsenstandes, und aufserdem als Realität inder Hand des Schuldners. Als Forderung gehört es in den Vermögens-