II,
In dem Vorhergehenden ist eine Tatsache des Wertgefühls voraus-gesetzt worden, deren Selbstverständlichkeit für uns leicht über ihre Be-deutsamkeit hinwegtäuschen kann. Das Geld ist uns wertvoll, weil esdas Mittel zur Erlangung von Werten ist; aber ebenso gut könnte mandoch sagen: obgleich es nur das Mittel dazu ist. Denn logisch not-wendig erscheint es keineswegs, dafs der Ton des Wertes, der auf denEndzwecken unseres Handelns ruht, sich auch auf die Mittel übertrage,die an sich und ohne Einstellung in die teleologische Reihe völlig wert-fremd wären. Dafs diese Wertübertragung, auf Grund rein äufserer Zu-sammenhänge, stattfindet, ordnet sich in eine sehr allgemeine Formunserer geistigen Bewegungen ein, die man die psychologische Expansionder Qualitäten benennen könnte. Wenn nämlich eine sachliche Reihevon Gegenständen, Kräften, Geschehnissen ein Glied enthält, das be-stimmte subjektive Reaktionen in uns auslöst: Lust oder Unlust, Liebeoder Hals, positive oder negative Wertgefühle — so scheint uns dieserWert nicht nur auf seinem unmittelbaren Träger zu haften, sondern wirlassen auch die anderen, an sich nicht ebenso ausgezeichneten Gliederder Reihe an ihm teilhaben: dies ist keineswegs nur bei teleologischenReihen der Fall, .deren Endglied seine Bedeutung auf alle Ursachen seinerVerwirklichung ausstrahlt, sondern auch bei anders laufenden Ver-knüpfungen der Elemente: alle Mitglieder einer Familie partizipieren ander Ehrung oder Degradierung eines einzelnen von ihnen; die un-bedeutendsten Produkte eines grofsen Dichters geniefsen, weil anderebedeutend sind, eine ihnen an sich nicht zukommende Schätzung; Neigungoder Hals des Einzelnen, aus politischer Parteistellung entsprungen, er-streckt sich auf diejenigen Punkte der Parteiprogramme, denen an undfür sich er gleichgültig oder mit entgegengesetzten Gefühlen gegenüber-stehen würde; die Liebe zu einem Menschen, von dem sympathischenGefühl für eine seiner Wesensseiten ausgehend, umfafst schliefslich seineGesamtpersönlichkeit und damit vielerlei Eigenschaften und Äufserungenmit der gleichen Leidenschaft, auf die diese ohne solchen Zusammenhang